Psychiatrieleben

Eine moderne psychiatrische Klinik in einer deutschen Kleinstadt. Ein schönes Gebäude in einem ziemlich weitläufigen, parkähnlichen Gelände. Hell, ein angenehmes Erscheinungsbild: “Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik”.
Der unbefangene Betrachter könnte sehnsüchtig denken: Wie angenehm, sich dort vom Stress des täglichen Lebens zu erholen, mit fachkundigem Personal über die eigene Person und alle Schwierigkeiten des Lebens sprechen zu können, ganz konzentriert, weil man zeitweilig alles Andere zurück stellen kann.

Nachdem die Geschichte von G. Mollath durch die Medien gegangen ist, wird wahrscheinlich niemand mehr so unbefangen sein. Angst vor der Psychiatrie ist aufgekommen.
Zur Klarheit darüber, was in der Psychiatrie tatsächlich vor sich geht, hat diese Geschichte allerdings wenig beigetragen. Um so wichtiger ist es, endlich dafür zu sorgen und bekannt zu machen, wie die psychiatrischen Hilfsangebote in der Praxis aussehen.
Mehr Transparenz in der Psychiatrie herzustellen ist eine originäre Aufgabe von EREPRO:
Entsprechend werden in  den verschiedenen hilfe Blättern von EREPRO Praxisbereiche der Psychiatrie beschrieben:
Sozialpsychiatrische Dienste in Bayern in hilfe  3, 6 und 11
Psychopharmaka Therapie in hilfe Nr. 4 und 6
Sucht in hilfe Nr. 5 
Gesetzliche Betreuung von Psychiatriepatienten in hilfe  Nr. 3

Institutsambulanz  in hilfe Nr. 7
– Integrierter Reha- und Behandlungsplan in hilfe Nr. 7

Behandlung von Psychosen in hilfe  Nr. 8
– Krisenintervention bei akuter Psychose in hilfe Nr. 9

Angebote f. Kinder psych. kranker Menschen in e. SPDi in hilfe Nr. 10
Selbsthilfegruppen in der Psychiatrie  in hilfe Nr. 11 und 12
– Ehrenamtliche in der Psychiatrie in hilfe Nr. 13
und mehr (Bestellzettel 2017)

Die Rubrik „Psychiatrieleben hier bietet einen kleinen FIlm und viele Berichte, die Einblick geben in Erleben und Befindlichkeit von Menschen in der Psychiatrie und deren Probleme:

Trauer. 1.11.2017
Es ist so ungeheuerlich, was in der Nazizeit mit Menschen in der Psychiatrie geschehen ist, dass es mich immer wieder gedrängt hat, etwas zu tun.
Ich habe mich seit den fünfziger Jahren gründlich über die Nazi-“Euthanasie” informiert, die Informationen auch gegen Widerstände weitergegeben, und später versucht, eine einigermaßen humane Psychiatrie zu praktizieren.
Aber abschließen kann man dieses Kapitel nicht. Mittlerweile hat sich der Aktivismus gelegt und es drängt mich viel mehr, meinen Schmerz und meine Trauer darüber mit anderen Menschen zu teilen. … weiterlesen

Gespräch über Gefesselte auf geschlossener psychiatrischer Station.  Kurzfilm (31′) über ein Gespräch mit Angelika Kurella, die Psychiatriepatienten auf geschlossenen Stationen besucht hat. Mehr als zwei Jahre nach ihrem plötzlichen Tod am 14. April 2014 können wir hier Filmaufnahmen von Juli 2013 zeigen, welche die Filmemacherin Sigrun Schnarrenberger und der Kameramann Dominik Schoetschel EREPRO freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben. …. Film amschauen

Ein gereimtes Gedicht Gert Springmann, Mai 201
Der Nervenarzt ganz sachlich nickt,
der Läppische leicht blinzelnd blickt,
der Arzt wird zunehmend säurer,
uns beiden wird das immer ungeheurer.  …weiterlesen

Ich lebte das Leben anderer. Rosa Klimm, 2.3.2016
Als ich so tief gefallen war, wurde mir langsam bewusst, dass in meinem Leben einiges gewaltig schief lief. Bisher lebte ich meist das Leben anderer, nicht mein Leben. Nur, was war mein Leben? Das musste ich herausfinden. Und so begann ich Stück für Stück mein Leben umzukrempeln. Immer war ich ein Verstandesmensch gewesen. Doch plötzlich kam ich damit nicht mehr weiter. Ich begann auf … weiterlesen

Mein Partner ist wohl depressiv – wir wollen keine Psychiatrie. 14.9.2015
Mein Partner ist abgeschnitten von mir zur Zeit. So verschwindet er immer mal wieder aus meinem Leben Und ist doch da. Das geschieht nicht regelmäßig.
Auslöser sind mir unbekannt. … weiterlesen

Über meinen Leidensweg: 7.7.2015
Im März dieses Jahres holte mich das zweite Mal (zuvor im November 2014) eine belastende Grippe ein. (bzw. grippaler Infekt). Zu dieser Zeit nahm ich 10 mg Fluanxol und 1000 mg Seroquel ein, (Quietapin). Als ich am ersten Wochenende dieser Zeit meine Mutter besuchte, war ich geschwächt von der Grippe und belastet durch die Einnahme der Neuroleptika. Es kam zu einem beinah-körperlichen Zusammenbruch, und ich fuhr zurück nach Hause. Dort hatte ich darauffolgend Oberbauchkrämpfe und einmal heftige Nierenschmerzen. Diese waren auf meinen geschwächten Körper und vor allem auf die Einnahme von Fluanxol zurückzuführen, von dem ich ähnliche Symptome vorher schon kannte, nur nicht so heftig. Es ist bekannt, dass Neuroleptika schwere Nebenwirkungen haben, die langzeit-schädlich sind. …weiterlesen

Schilderung meiner psychischen Krankheit. Angelika Kurella, 3.5.2015
KRANK – PSYCHIATRIE – MEDIKAMENTE- LIEBE – GESUND
Im folgenden Bericht möchte ich meine psychische Krankheit beschreiben. Ich bin 57 Jahre alt,  verheiratet und habe 2 erwachsene Töchter.
Seit über 20 Jahren ist mein Gesundheitszustand stabil, ich nehme nur noch am Abend eine geringe Dosis meines Medikamentes ein.
Als Teenager erkrankte ich das erste Mal. … weiterlesen

DURST! Angelika Kurella. 28.4.2015
Hilflos laufe ich über einen langen Gang. Da sind viele Türen, die öffne ich. In den Zimmern sind Menschen, die ich nicht kenne. Ich frage sie, “Wo bin ich?” Ihre Antwort ist: “Im Irrenhaus.” Die letzte Türe, die ich öffne, zeigt mir, dass es stimmt. Da liegt ein Mensch in einem Krankenbett, mitten im Raum. Ich gehe ganz nah an das Bett und sehe, der Mann ist mit Gurten an das Bett gebunden. Er sagt: “Durst”. … weiterlesen

Ich wurde in der NS-Zeit zwangssterilisiert. 8.2.2015
Eine Leserin stellte uns die Broschüre „Ich klage an“ zur Verfügung, die vom Bund der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten e.V. 1987 herausgegeben und 1997 ergänzt wurde. Sie enthält „Tatsachen- und Erlebnisberichte der ‚Euthanasie‘-Geschädigten und Zwangssterilisierten in der Zeit des Nationalsozialismus. Alle Berichte beruhen auf Tatsachen, wie die Herausgeberin Klara Nowak versichert. … weiterlesen

Stationärer Maßregelvollzug: Anders ist besser. W.O. 11.9.2014
Hans ist ein warmherziger Mann von 30 Jahren. Er hat eine blühende Phantasie und ist kreativ. Er war jahrelang in einer psychiatrische Klinik untergebracht, nachdem er auffällig geworden war, weil er – in dem Wahn fliegen zu können – vor hatte vom Rathausturm zu springen. Daraufhin folgte die Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik. Er hatte keine Angehörigen, die sich um ihn kümmerten. Seine Mutter war kurz nach seiner Geburt verschwunden, der Vater interessierte sich nicht für den lästigen Sohn und die Großmutter, bei der er aufgewachsen war, gestorben.
So wurde er in der Klinik praktisch vergessen und blieb sehr lange. … weiterlesen

Wer hilft nach Klinikentlassung? Angelika Kurella 13.1.2013
Ich möchte mit diesem Bericht darstellen, wie in einer psychiatrischen Klinik die Patienten zum Teil entlassen werden – ohne richtig stabil zu sein. Ein Irrgarten! … Weiterlesen

Psychisch krank? Sie sind nicht allein. A. Kurella 19.9.2013
Warten Sie bitte nicht bis ein Klinikaufenthalt nötig ist! Es gibt Hilfe, aber Sie müssen den „ersten Schritt machen”. Eine Möglichkeit, schließen Sie sich einer Gruppe „Selbsterfahrener“ an! …  weiterlesen

Patrizia I. 3.6.2012
Manchmal frage ich mich, warum einige Menschen, die wirklich nichts (außer Gutes) getan haben, so sehr leiden müssen: die Leiden meiner Freundin! Mit ihrer Erlaubnis schreibe ich diesen Bericht, der der Wahrheit entspricht.   … weiterlesen

Patrizia II.13.1.2013
Wir wollen das Beste für Patrizia! Als ich Patrizia das letzte Mal persönlich antreffen konnte, was sie noch auf der offenen Station. Sie war ganz still, ihr Gesichtsausdruck war starr und sehr ernst. Sie war eher traurig und sie antwortete nur mit „ ja“ oder „nein“. Es ist ihr sichtlich schwer gefallen mir zuzuhören.   … weiterlesen

Eine Berufung für gescheiterte Menschen. G. Springmann 23.5.2013
Ein Mensch, der psychisch krank wird, fällt auf. Er kann sich seiner Umgebung nicht anpassen. Die Frage, ob eine psychische Erkrankung hirnorganisch bedingt ist, ist eindeutig geklärt. Jene Mängel und Defekte, die sich auch im sozialen Leben zeigen und dort zum Ausdruck kommen – in Familie, Beruf, in allen gesellschaftlichen Verrichtungen, besonders im Umgang mit anderen Menschen, versucht man zu beheben und ihnen abzuhelfen, indem man Medikamente verordnet, die das Leiden lindern sollen.   … weiterlesen

Dankesbrief einer Patientin an A. Kurella. 3.5.2013
Den folgenden Brief und noch viele dieser Art bekam ich von einer Patientin, die ich zwei Mal begleiten durfte aus den Tiefen der Erkrankung bis hin zur Stabilität.   … weiterlesen

Medikamentöse Fehlbehandlung. 24.3.2013
Zurzeit läuft bei der Gutachterstelle der bayerischen Landesärztekammer München ein Gutachten wegen medikamentöser Fehlbehandlung (bei mir) in den Jahren 1998 bis 2009 in einer Nervenklinik.   … weiterlesen

Gesundheit kann man nicht kaufen! 19.11.2012
Mit dieser wahren Geschichte will ich darstellen, wie psychisch Kranke schamlos ausgenutzt werden können. Ich muss vorsichtig sein, um die Patientin zu schützen. Weil diese Dame bei unserem ersten Treffen sehr traurig war, nenne ich sie Frau Trau.   … weiterlesen

Psychiatrie hinter verschlossenen Türen
Was heißt “verschlossene Türen”? Offizielle Bezeichnung: “Allgemeinpsychiatrische Intensiv-Stationen”. “In geschlossene psychiatrische Stationen werden in der Regel Patienten aufgenommen, die infolge ihres Krankheitsbildes Gefahr laufen, sich selbst oder, in seltenen Fällen, auch anderen Schaden zuzufügen. Bisweilen können psychisch Erkrankte auch die Notwendigkeit einer psychiatrischen Behandlung krankheitsbedingt nicht einsehen. Die Aufnahme und Behandlung von zwei Drittel aller Patienten erfolgt aber auf freiwilliger Basis, während bei einem Drittel der medizinisch dringend notwendige stationäre Aufenthalt durch einen Beschluss des Vormundschaftsgerichts rechtlich abgesichert werden muss. Aufgabe der Stationen ist die Intensivbetreuung psychisch schwer kranker Menschen, die sich in akuten Krisensituationen sowohl im Rahmen lebensgeschichtlicher Ereignisse als auch von psychischen Erkrankungen wie schweren Depressionen mit Suizidgefahr oder schizophrenen Störungen befinden.” So heißt es auf der Homepage der beschriebenen Klinik (abgerufen 2013, link bei EREPRO)

Über diese “Intensiv-Psychiatrie” hinter verschlossenen Türen ist wenig bekannt. Empirische Untersuchungen, Befragungen von Patienten und Mitarbeitern – Fehlanzeige. Insofern war es ein Glücksfall, dass uns Berichte über diese Stationen zugeschickt wurden, aus denen der Leser einen Eindruck gewinnen kann, welches Angebot Hilfsbedürftigen, das heißt Menschen in gravierenden existentiellen Krisen dort gemacht wird.   …weiterlesen

Bitte teilen Sie uns Ihre Meinung zu diesen Artikeln mit und schreiben Sie selbst über Ihre Erfahrungen in der Psychiatrie. Aufklärung über die Arbeit der Psychiatrie ist dringend notwendig.

 

 

 

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