Psychiatrie hinter verschlossenen Türen

Was heißt “verschlossene Türen”? Offizielle Bezeichnung: “Allgemeinpsychiatrische Intensiv-Stationen”. “In geschlossene psychiatrische Stationen werden in der Regel Patienten aufgenommen, die infolge ihres Krankheitsbildes Gefahr laufen, sich selbst oder, in seltenen Fällen, auch anderen Schaden zuzufügen. Bisweilen können psychisch Erkrankte auch die Notwendigkeit einer psychiatrischen Behandlung krankheitsbedingt nicht einsehen. Die Aufnahme und Behandlung von zwei Drittel aller Patienten erfolgt aber auf freiwilliger Basis, während bei einem Drittel der medizinisch dringend notwendige stationäre Aufenthalt durch einen Beschluss des Vormundschaftsgerichts rechtlich abgesichert werden muss.
Aufgabe der Stationen ist die Intensivbetreuung psychisch schwer kranker Menschen, die sich in akuten Krisensituationen sowohl im Rahmen lebensgeschichtlicher Ereignisse als auch von psychischen Erkrankungen wie schweren Depressionen mit Suizidgefahr oder schizophrenen Störungen befinden.” So heißt es auf der Homepage der beschriebenen Klinik (abgerufen 2013, link bei EREPRO)

Über diese “Intensiv-Psychiatrie” hinter verschlossenen Türen ist wenig bekannt. Empirische Untersuchungen, Befragungen von Patienten und Mitarbeitern – Fehlanzeige.
Insofern war es ein Glücksfall, dass uns Berichte über diese Stationen zugeschickt wurden, aus denen der Leser einen Eindruck gewinnen kann, welches Angebot Hilfsbedürftigen, das heißt Menschen in gravierenden existentiellen Krisen, dort gemacht wird. („war“, weil die beiden aktivsten Berichterstatter Angelika Kurella und Günther Brand völlig unerwartet verstorben sind – wie es schrecklicherweise häufig in der Psychiatrie vorkommt, ohne dass die schädigende Wirkung von Neuroleptika dabei nachgewiesen wird.)

Es geht in den Berichten um Zwangsmaßnahmen, Fixierungen, Entrechtung und um Entwürdigung. Aber auch um rührende, sensible zwischenmenschliche Kontakte – um elementare Menschlichkeit zwischen Patienten und Helfern, seien es ehrenamtliche Besucher oder Krankenpfleger. Übrigens: diese Klinik, mit der sich die meisten Berichte befassen, hat einen guten Ruf. Sie unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Kliniken der Regelversorgung, erfüllt den üblichen Standard.

Humor trotz aller Beschwerden Angelika Kurella †, November 2013
Wer sagt: “Das interessiert mich nicht!” soll nur wissen, es kann jeden treffen! Aber nicht jeder hält das aus! Diesen Bericht schreibe ich mit einer besonderen “Würze”. Ich will zeigen das ich trotz des großen Leids, das uns angetan wurde, noch immer über so manches lachen muss.
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Wer schützt die Fixierten? 4.10.2013
Wer nie selbst betroffen war, den werden meine Berichte über die Behandlung in einer Nervenklinik wohl nicht interessieren. Aber man sollte bedenken,  dass jeder Mensch psychisch krank werden könnte. Mit der Erlaubnis der Betroffenen schreibe ich schon seit Jahren Berichte   … weiterlesen

Eingeliefert heißt ausgeliefert! Angelika Kurella 17.9.2013
Kein Einzelfall! Verwahrung psychisch Kranker! Meiner Erfahrung nach werden psychische Kranke nicht selten behandelt wie Straftäter. Sie werden eingesperrt. Das nennt man “geschlossene Unterbringung” in einer Nervenklinik. Wenn der Kranke eine Straftat begangen hat, wird er in einer Spezial-Klinik oder -Abteilung der Psychiatrie, der Forensik, untergebracht. Aber die Kranken, die “nur” psychisch erkrankt sind, werden auch eingesperrt … weiterlesen

„Wissen Sie, dass der Patient verwirrt ist?“ A. Kurella 2.5.2013
Ich darf jetzt auch auf der geschlossenen Station Patienten besuchen.
Heute war ich dort zu Besuch bei einem jungen Mann, der aber spazieren war mit seiner Schwester. So setzte ich mich ins Raucherzimmer. Der Pfleger, der mir vor längerer Zeit mit einem Stationsverbot entgegen kam, ging auf mich zu mit den Worten: “Frau Kurella, wen besuchen Sie?“ Ich lächelte und nannte ihm den Namen. Seine Antwort „Alles klar“.
Ich mache nicht den Fehler, unfreundlich zu sein, aber – „meine Gedanken sind frei.“ … weiterlesen

In Deutschland werden kranke, hilflose  Menschen gequält. Würde man das im Fernsehen zeigen? 26.3.2013
Vor Kurzem habe ich im Fernsehen einen Bericht gesehen, wie psychisch kranke Menschen aus einem Dorf verbannt werden, sie sind angekettet in einem Bretterverschlag untergebracht. Allein gelassen. Das passierte auf den Philipinen, die Dorfbewohner haben Angst vor dem Kranken, manche verbinden die psychische Erkrankung mit einem bösen Geist, der den Menschen im Griff hat. Sie schützen sich, indem sie den Kranken weit ab vom Dorf einsperren.  … weiterlesen

Dort, auf euren geschlossenen Stationen, ist für Patienten nicht gut sein. G. Brand 15.3.2013
Seit März vergangenen Jahres betreiben einige Mitglieder unseres Vereines zusammen mit mir einen solchen Besuchsdienst im ( … ) Bezirkskrankenhaus; eine ehrenamtliche Tätigkeit, die wir als die eigentliche, als die Kernaufgabe eines Selbsthilfevereins betrachten. … weiterlesen

Verwahrlost unter Aufsicht! Ist das Krankenpflege? Angelika Kurella 22.2.2013
„Kommen Sie bitte, Ihr Bad ist fertig.“
Einen Patienten aufzufordern, ein Bad zu nehmen – ist das wirklich – Körperverletzung? … weiterlesen

Wie auf einer einsamen Insel – umgeben von einem Meer der Vergessenheit. 30.1.2013
Ich gehe regelmäßig als Besucherin auf die geschlossene Station unserer Nervenklinik. Was mir angenehm auffällt, ist das Verhalten des Pflegepersonals im Umgang mit den Patienten. Da ist mehr Menschlichkeit und Anstand vorhanden als auf anderen geschlossenen Stationen. Nur bei der Fixierung geht’s genau so zu wie auf der geschlossenen Station eine Etage tiefer.  … Weiterlesen

Das Recht der Rechtlosen 24.8.2012
Mit diesem Bericht möchte ich eneut darauf hinweisen, dass das Pflegepersonal der Klinik, in der meine Tochter fast ein Jahr stationär untergebracht war, gegen das Recht handelt.  … weiterlesen

Wie man Patienten ganz bewusst täuscht: Das müsste man ändern!
Angelika Kurella 28.7.2012
Zum Wohle des Patienten? Darf man so handeln? In diesem  Bericht beschreibe ich die Vorgehensweise einer Klinik in Bezug auf die Entlassung eines Patienten, der unter gesetzlicher Betreuung steht, egal ob er per Gerichtsbeschluß oder auf freiwilliger Basis in Behandlung auf einer geschlossenen Station „verwahrt“ wird.   … weiterlesen

Ist diese Behandlung NORMAL? 8.6.2012
Ist diese Behandlung NORMAL? Gewiss nicht: „Man könnte wahnsinnig werden!“  … weiterlesen

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Ein Gedanke zu „Psychiatrie hinter verschlossenen Türen

  1. Geschlossene Psychiatrie
    Seelisch gesunden unter Zwang?

    Die Psychiatrie hinter verriegelten Türen hat nicht den besten Ruf. Die „Geschlossene“ – das klingt nach „wegsperren“ und „Zwang“. Tatsächlich werden Patienten vielfach gegen ihren Willen auf einer geschlossenen psychiatrischen Station untergebracht.

    Den vollständigen Beitrag können Sie hier online lesen:
    http://www.deutschlandfunk.de/detail-sprechstunde.709.de.html?dram:article_id=267919

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