Patrizia I

Manchmal frage ich mich, warum einige Menschen, die wirklich nichts (außer Gutes) getan haben, so sehr leiden müssen. Die Leiden meiner Freundin, mit ihrer Erlaubnis schreibe ich diesen Bericht, der der Wahrheit entspricht.

Nach einem Jahr voller Sorge um meine Tochter Ariane ist meine Freundin Patrizia auch Patientin einer „geschlossenen“ Station der Nervenklinik, in der Ariane behandelt wurde. Ariane ist entlassen, aber meine Sorge um sie wird wohl für mich ein lebenslanger Begleiter sein. Patrizias Schicksal berührt meine Seele. Die gute Patrizia kenne ich durch eine Gruppe, in der sich mit mir mehrere Frauen alle zwei Wochen treffen. Wir alle teilen ein Schicksal. Wir waren an einer Psychose erkrankt, sind aber „stabil“.
Patrizia ist genau wie wir alle um die 50 Jahre alt, sie hat ihren Sohn alleine groß gezogen, er ist etwas über dreißig. Patrizia war bis zu ihrer jetzigen Erkrankung berufstätig, und das trotz der Medikamente, die sie einnehmen musste, um „stabil“ zu bleiben. Medikamente nehmen wir alle ein. Ich bin stabil mit einer Mini-Dosis. 

Leider wurde Patrizia vor kurzer Zeit eine niederschmetternde Diagnose mitgeteilt: BRUSTKREBS. Eine OP – eine Brust wurde entfernt. CHEMOTHERAPIE und – erneut kam die Psychose.
So besuche ich Patrizia immer mittwochs in der Nervenklinik. Ein Jammer! Ihre wundervolle Haarpracht hat sie verloren. Sie ist blass und teils verwirrt, aber sie erkennt mich, und ich versuche ihr zuzureden. Wie sehr mich das Leiden von Patrizia berührt, kann ich schwer beschreiben.

Patrizia ist, als es ihr noch gut ging, fast jeden Tag in die Nervenklinik gefahren und hat Patienten besucht. Vor Jahren war sie auch bei Ariane und stets hatte sie ein kleines Geschenk für meine Tochter. Damals kannte ich Patrizia nur durch die Besuche bei Ariane.
Patrizia ist eine Seele von Mensch und jetzt wird sie gleich von zwei schweren Erkrankungen geplagt. Der KREBS und die Psychose, so muss sie zur Zeit zur Behandlung – Bestrahlung – in eine Klinik, danach gleich wieder zurück in die Nervenklinik.

Patrizia erzählt mir Dinge über die Behandlung dort, die ich normalerweise nicht glauben würde, aber ich weiß ganz genau, dass Patrizia die Wahrheit erzählt. Das ist die schrecklichste Art und Weise einer Behandlung, die eine Misshandlung ist. Darüber habe ich schon oft berichtet, und ich wäre der zufriedenste Mensch, wenn man sicher sein könnte, dass sich diese Missstände verändern würden – in eine ganz „normale“ Behandlung von psychisch Kranken in dieser Klinik. Aber das ist nicht leicht, denn es sind zu Wenige, die sich beklagen. Ich alleine kann nur schreiben, was da so vorfällt und Zeugen gäbe es unzählige, aber wer sagt das in der Öffentlichkeit? ICH!

Unglaublich, was da mit den Kranken gemacht wird. Da kann man doch nie gesund werden, das machte einen ja erst krank! Das Zusehen fällt mir unsagbar schwer. WER WILL HELFEN? WER KANN HELFEN?

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