„Wissen Sie, dass der Patient verwirrt ist?“ von A. Kurella

Ich darf jetzt auch auf der geschlossenen Station Patienten besuchen.
Heute war ich dort zu Besuch bei einem jungen Mann, der aber spazieren war mit seiner Schwester. So setzte ich mich ins Raucherzimmer. Der Pfleger, der mir vor längerer Zeit mit einem Stationsverbot entgegen kam, ging auf mich zu mit den Worten: „Frau Kurella, wen besuchen Sie?“ Ich lächelte und nannte ihm den Namen. Seine Antwort „Alles klar“.
Ich mache nicht den Fehler, unfreundlich zu sein, aber – „meine Gedanken sind frei.“

Als ich nahe beim Stationszimmer stand, kam ein Patient , der zu einer Krankenschwester sagte, dass er gerne ein Bad nehmen würde, und diese sagte, sie würde ihm das Badezimmer aufsperren. Wunderbar!

Der Patient, den ich hier besuche, ist um die dreißig Jahre alt, und mit seiner Erlaubnis kann ich ganz aktuell über die Behandlung berichten. Ich nenne ihn Herrn X.
Herr X wurde vor einigen Wochen auf die geschlossene Station aufgenommen und, weil er mit der Behandlung nicht einverstanden war, wurde ein Richter vom Amtsgericht bestellt, Herr X bekam einen Betreuer und wurde mit Gerichtsbeschluss auf genannter Station festgesetzt.

Das ist so üblich, und dagegen kann man nichts sagen, denn das ärztliche Gutachten zeigt wohl, dass eine Behandlung notwendig ist, und der Patient keine Krankheitseinsicht hat.

Gestern habe ich Herrn X auf  dem Patiententelefon angerufen, und er sagte mir, dass ein Richter ihn am 19.3.2013 besuchte, und dass er nochmals per Gerichtsbeschluss auf der Geschlossenen verwahrt wird. Sein behandelnder Arzt findet, dass es notwendig sei.
Herr X gibt zu, dass er bei der Einweisung verwirrt bzw. krank war, aber sein Zustand hat sich gebessert, und er nimmt auch seine Medikamente ein.
Wenn ich mit ihm spreche, fällt mir nicht auf, dass er krank ist, aber sicher wurde er nicht als Gesunder aufgenommen.

Wenn ich Herrn X in der kommenden Woche besuche, will ich ihn  fragen, ob er einverstanden wäre, sich auf einer offenen Station behandeln zu lassen. Da kann man es besser aushalten, und man kann auch spazieren gehen, außerdem wird die Behandlung durch verschiedene Therapien begleitet – wie Beschäftigungstherapie, Sport und Gesprächstherapien.
Ich muss sehr vorsichtig sein mit meinen Ratschlägen, denn ich hatte ja schon mal Stationsverbot von dem behandelnden Arzt des Herrn X, Herrn Dr. Y., den ich allerdings persönlich nicht kenne.

Das Pflegepersonal der Station hatte mir früher manchmal gesagt: „Frau Kurella, Sie wissen schon, dass der Patient verwirrt ist?“ Natürlich weiß ich das, aber von der besonders schlechten Behandlung, vor allem in der Fixierung, weiß ich auch, und durfte auch schon zusehen, und ich bin nicht verwirrt.
Die Patienten sind verwirrte, kranke MENSCHEN, das sollte man nie vergessen. Sie brauchen Hilfe, Zuwendung und Pflege. Medikamente sind nötig, aber das allein reicht nicht.
Auch Herr X wurde vom Pflegepersonal sehr schlecht behandelt, und er sagte:“ Mir wurde beim Fixieren sehr weh getan.“

Also geht alles weiter, obwohl ich den Chefarzt, den Herrn Professor, den Oberarzt dieser Station und die Pflegedienstleitung durch meine Briefe über die menschenunwürdige Behandlung informiert habe.
Aber ich gebe nicht auf, und ich schreibe nach meinen Besuchen das auf, was mir die Patienten berichten.
Von Vorteil ist, dass auch Herr Günther Brand von der Selbsthilfegruppe SAP als Besucher in die Klinik kommt  und auch eine Frau R.B.. Frau B. war für kurze Zeit mit mir Besucherin der geschlossenen Station. Seit ich von der SAP „gekündigt“ wurde, habe ich telefonischen Kontakt mit ihr.
Sie erzählte mir vor kurzem, wie unfreundlich das Personal mit ihr ist. Frau B. ist Besucherin aus christlicher Nächstenliebe, sie war selbst nie psychisch krank. Von Patienten habe ich erfahren, dass Frau B. mit selbst gebackenem Kuchen und kleinen Geschenkenzu Besuch kommt, und dass sie eine herzensgute Frau ist. Das stimmt.

Auf der offenen Station und auf der Geschlossenen bin ich zur Zeit treue Besucherin. Die Patienten auf der zweiten geschlossenen Station besuche ich eher selten, obwohl ein Patient zu besuchen wäre. Ich warte aber erst mal ab, bis ich sicher sein kann, dass er mir meinen Besuch erlaubt.

Die Pfleger und Krankenschwestern lehnen uns Besucher meist ab, das stört mich zwar auch, aber ich besuche ja die Patienten und nicht das Pflegepersonal.

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