Wie auf einer einsamen Insel – umgeben von einem Meer der Vergessenheit.

Ich gehe regelmäßig als Besucherin auf die geschlossene Station unserer Nervenklinik.

Was mir angenehm auffällt, ist das Verhalten des Pflegepersonals im Umgang mit den Patienten. Da ist mehr Menschlichkeit und Anstand vorhanden als auf anderen geschlossenen Stationen. Nur bei der Fixierung geht’s genau so zu wie auf der geschlossenen Station eine Etage tiefer.

Was mir weiter aufgefallen ist, ist – dass sehr wenig Besuch kommt auf der geschlossenen Station einer Psychiatrischen Klinik, und so wartet man als Patient vom Frühstück zum Mittagessen, Kaffeetrinken und Abendessen. Der Ausgang ist meist nicht erlaubt und wenn, dann in Gruppe mit Pfleger.

Als ich selbst das erste Mal in einer psychiatrischen Klinik auf der „Geschlossenen“ war, kam jeden Tag eine Therapeutin, die mit den Patienten, die das wollten, bastelte oder strickte. Das habe ich nicht mitgemacht, aber viele Patientinnen waren froh über diese Ablenkung.

Warum man das in der Klinik hier nicht macht, kann ich nicht verstehen. Man könnte doch junge Menschen – als Praktikanten – einsetzen für diese sinnvolle Arbeit.
Leider kann ich weder handarbeiten noch basteln, aber ich besuche die Patienten und durch Gespräche kann sie vom tristen Klinikalltag ablenken.

Eine Patientin sagte, wenn Besuch kommt – egal für wen, fällt ein Sonnenstrahl auf die Station. Eine sehr schöne Formulierung. So werde ich mindestens einmal pro Woche ein wenig Sonne auf die Station bringen…

Die Menschen sind sehr dankbar und kommen auf mich zu, sie wollen mit mir reden, und ich höre zu, das ist für mich eine Erfüllung – keine Arbeit.

Habe gestern einen Brief an den Chefarzt abgegeben, in dem ich ihm erkläre, dass ich gerne auch auf der anderen geschlossenen Station Einlass hätte. Mal schauen, ohne extra Erlaubnis würde ich sicher von dem Pflegepersonal erneut abgewiesen werden.

Traurig, denn ich will den Patienten helfen.

Frau L. habe ich seit Sommer letzen Jahres begleitet, leider ist sie erneut erkrankt. Ich durfte sie im „Wach-Bereich“ besuchen, das hätte man auf der anderen geschlossenen Station nie erlaubt.
Die Menschen auf den geschlossenen Stationen leben wie auf einer einsamen Insel umgeben von einem Meer der Vergessenheit. In ihre Einsamkeit komme ich und zeige den Patienten, dass ich an sie denke. Ich höre zu und gebe gute Ratschläge und schon oft habe durch kleine Geschichten die Patienten zum Lachen gebracht. Über Doktoren, Ärzte und Pfleger spreche ich nie schlecht, das würde nur Unruhe bringen.

Eine Patientin hat mich gestern zum Abschied herzlich umarmt und gesagt:“ Liebe X. danke für deinen Besuch.“
Das gibt mir den nötigen Schwung mein Ziel weiter zu verfolgen, und ich bleibe die treue Besucherin, die Sonne in den tristen Alltag der Patienten bringt.

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