Farbe bekennen

30 Jahre lang haben wir uns an dem Establishment der Psychiatrie abgearbeitet. Es gibt viele Umstände/Missstände, die wir nicht akzeptieren können. Wir, die Mitarbeiter eines Sozialpsychiatrischen Dienstes, sind aber nicht investigativ oder gar anklagend unterwegs. Wir wollen für Klienten den Schaden durch Klinikaufenthalte, die nicht vermieden werden können, möglichst gering halten. Dazu müssen und wollen wir im Gespräch bleiben. Die Verhältnisse sind wie sie sind, unumstößlich und wie naturgegeben.
Für unsere eigene psychiatrische Arbeit hatten wir seit 1977 weitgehend freie Hand beim Aufbau des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Bayern in Trägerschaft eines Wohlfahrtsverbandes. Orientierungspunkte waren die Vorschläge zur Reform der Psychiatrie von 1975 (Enquete) und Erfahrungen mit Selbsthilfegruppen für psychiatrieerfahrene Menschen in den USA.
Von außerhalb des Klinikbereiches1 gab und gibt es viel Anregung und Unterstützung für eine menschliche Psychiatrie –  bei den Kollegen in der Sozialpsychiatrie, bei einer Beratungsstelle für Psychiatrie am Gesundheitsamt und auch bei den Trägern, den Wohlfahrtsverbänden.

In einem Buch von Stefan Weinmann, Die Vermessung der Psychiatrie, Täuschung und Selbsttäuschung eines Fachgebiets., das 2019 erschien, werden die etablierten Verhältnisse in der Psychiatrie werden sehr weitgehend infrage gestellt.
Allein der Titel!
Das Vorhaben hat uns in seinen Bann gezogen: ein Psychiater rüttelt an den Grundfesten der Psychiatrie, die doch – trotz aller Kritik – wie in Stein gemeißelt und unerschütterlich erscheinen.
Tatsächlich gibt es immer wieder kritische Äußerungen. Aber in der Praxis riskiert man dabei leicht, als unseriös zu gelten und daraufhin in den Kliniken gar kein Gehör mehr zu finden.

Weinmann hat Risse aufgezeigt in dem Monolithen Psychiatrie und eine Diskussion eröffnet. Dabei schälen sich andeutungsweise immer mehr die Umrisse grundlegender Unterschiede in der Ausrichtung psychiatrischer Arbeit heraus.
Die sollten mit erkennbaren Konturen einander gegenübergestellt und in Diskussionen bearbeitet werden. Voraussetzung dafür ist allerdings: Erst mal Farbe bekennen.

Ein erstaunliches Buch über das Versagen der Psychiatrie. Weinmann nimmt kritisch Stellung – ausführlich und differenziert. Der Schwerpunkt liegt auf der Arbeit in Kliniken, wo er selbst die meiste Zeit als Psychiater gearbeitet hat und bis heute tätig ist.
Darstellung und Kritik ambulanter, gemeindepsychiatrischer Arbeit gerät etwas klischeehafter und undifferenzierter. Den Aussagen liegen weniger eigene Erfahrungen des Autors zugrunde. Man merkt, dass er nicht viel vom Bemühen erlebt hat, in der praktischen, ambulanten Arbeit Lösungen für die elementaren Probleme zu finden.
Den hoffnungsvollen Aufbruch in den 70er/80er Jahren für eine Reform der Psychiatrie hält Weinmann für weitgehend gescheitert: „Sieht man genauer hin, wurde oft nicht so viel erreicht, mit Ausnahme einer mehr oder weniger chronischen Situation.“
Für diese negative Einschätzung erhält er Lob von einem ärztlichen Kollegen, Prof. Dr. med. Hanns Rüdiger Röttgers, der in seiner Buchbesprechung schreibt: „Sehr lesenswert ist der kritische Blick (Weinmanns, d. Verf.) auf gemeindenahe Versorgungsstrukturen, die… vor allem geographisch ‚gemeindenah‘ sind, tatsächlich aber eher ein geschütztes, zumindest teilweise durch wohlmeinenden Paternalismus und Anbieter- und Institutionsinteressen determiniertes Paralleluniversum darstellen, und oftmals eine faktische Teilhabe psychisch kranker Menschen am ’normalen‘ Leben behindern, zumindest nicht fördern.“2

Die „Zwiespältigkeit“ stationärer und ambulanter  Psychiatrie
Die Probleme in Kliniken und ambulanten Diensten ähneln sich – meint Weinmann, „denn ein Hilfesystem entwickelt immer eine Eigendynamik, die der Aufrechterhaltung von Stellen, Finanzierung, Routine etc. dient und tendenziell an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbei geht. Dies ist das Zwiespältige jedes psychiatrischen Systems.“3
Wir meinen, nicht nur das psychiatrische System ist „zwiespältig“, sondern das gesellschaftliche System als Ganzes. Institutionen in einer kapitalistischen Gesellschaft unterliegen für gewöhnlich den dort herrschenden Prinzipien z.B. der  Ökonomisierung, Gewinnmaximierung und Leistungsorientierung. Voller Einsatz, Leistungssteigerung durch Konkurrenz sind weitere typische Kennzeichen.
Der Mensch muss kalkulierbar sein, wie Nicolas Rose aufzeigt, „We have entered, it appears, the age of the calculable person, whose individuality is no longer ineffable, unique and beyond knowledge, but can be known, mapped, calibrated, evaluated, quantified, predicted and managed.“4
Angelika Grubner – in einer“ Streitschrift“ – „unterzieht ´Psychotherapie` einer machttheoretischen Überprüfung und zeigt, wie eng sie – ob bemerkt oder nicht – mit dem Neoliberalismus geradezu symbiotisch verstrickt ist.“5

Der Rezensent Röttgers folgt Weinmann nicht in seiner kritischen Sicht heutiger gesellschaftlicher Verhältnisse als zwiespältig :
„Hier verkennt Weinmann, dass tatsächlich die liberalen Demokratien mit ihrem universellen Menschenrechtsbegriff und mit unterschiedlich differenzierten Systemen zum Schutz der Rechte von Minderheiten, Unterprivilegierten, Benachteiligten die einzigen Gesellschaftsformen in der dokumentierten Menschheitsgeschichte sind, die dem Grunde nach geeignet sind, für Menschen mit psychisch bedingten abweichenden Verhalten auch nur ansatzweise würdige Lebensverhältnisse zu schaffen. Dies gilt einerseits wegen des egalitär-demokratischen Ansatzes, der ja Grundlage der UN-Menschen- und Behindertenrechtskonventionen ist, andererseits aber auch wegen der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit liberal-demokratischer Staaten, die die Basis für einen materiell starken, auch die z.B. krankheitsbedingt individuell nicht leistungsfähigen Menschen auffangenden Sozialstaat bietet.“6

Dieses Zitat zeigt, wie wichtig es ist, in der psychiatrischen Diskussion die Unterschiede politischer Standpunkte klar auszuarbeiten (s.u.). Begriffe werden oft beliebig verwendet, müssen also jeweils kritisch hinterfragt werden.
Und in diesem Zitat: „liberale Demokratien“ = „die einzigen Gesellschaftsformen in der dokumentierten Menschheitsgeschichte“… ?? Das ist eine sehr rigorose  Behauptung mit einem ideologischen Geschmäckle.
George Orwell  beschreibt dieses Auftreten als: „eine Geisteshaltung, die heute so verbreitet ist, dass sie unser Nachdenken über so gut wie jeden Gegenstand beeinflusst, jedoch noch keinen Namen hat.“ Er wählt die (u.E. besonders in Deutschland missverständliche) Bezeichnung „Nationalismus“. Wir würden sie ersetzen durch den Begriff „Überlegenheitsdenken„.  Dieses Phänomen ist sehr gängig in der Psychiatrie und behindert die Arbeit beträchtlich.
Orwell weiter: „Mit ‚Nationalismus‘ meine ich zunächst einmal die verbreitete Annahme, dass sich Menschen wie Insekten klassifizieren lassen und ganze Gruppen von Millionen oder Abermillionen Menschen mit dem Etikett »gut« oder »böse« belegt werden können. Zweitens aber – und das ist deutlich wichtiger – meine ich damit die Angewohnheit, sich mit einer einzigen Nation oder einer anderen Einheit zu identifizieren, diese jenseits von Gut und Böse zu verorten und keine andere Pflicht anzuerkennen als die, deren Interessen zu befördern.“ Dieses „Überlegenheitsdenken“ ist „untrennbar mit dem Streben nach Macht verbunden“.7

Weinmann beobachtet, wie durch das Angebot von „Behandlung“ in der Psychiatrie der Einzelne indirekt selbst verantwortlich gemacht wird für seinen Zustand,8 und man ihn somit demütigt, „anstatt ihn selbstverständlich einzubeziehen und ihm Halt zu geben in einer solidarischen Gemeinschaft.“ „Wir verstehen sie (die Therapie, d.Verf.) als Versuche, subjektive und objektive Verwundungen und Traumatisierungen zu bewältigen, wo die bewussten lntegrationsmechanismen versagen. Dabei geht es zuvörderst um den Platz des jeweiligen Menschen im sozialen Gefüge.“
„Gemeindepsychiatrie sollte eigentlich heißen, dass die Verantwortung der Gemeinschaft durch diese selbst wahrgenommen und (mit der Familie und den Angehörigen, den Nachbarn, den Unternehmen und Arbeitgeber, den Behörden , den psychiatrische Tätigen und den Betroffenen) geteilt wird. Eine konsequente Umsetzung gemeindepsychiatrischer Ideale könnte uns in eine Situation führen, in der nicht mehr so ganz klar ist , wer eigentlich der ‚Patient‘ ist und wie lange, denn  nicht nur der Patient, sondern auch die Gesellschaft durchläuft Lernprozesse.“

Die Psychiatrie, die es mit psychisch belasteten Menschen zu tun hat, sollte die oben genannten gesellschaftlichen Ziele nicht einfach für die Hilfesuchenden übernehmen.
Trotzdem – und das ist Teil ihrer Zwiespältigkeit – wird psychiatrische Arbeit immer wieder daran gemessen – indirekt auch von Weinmann -, ob sie Patienten leistungsfähiger macht und sie in diesem Sinne „normalisiert“.

Dem steht das Wissen um die „absolute Selbstzwecklichkeit jedes Menschen“ oder das „Um-seiner-selbst-willen-Dasein“ gegenüber – trotz der Wortungetüme eigentlich eine Selbstverständlichkeit.9
Der französische Film „Hors normes“ – wörtlich übersetzt „außerhalb der Normen“ – stellt die Betreuer und ihre Schützlinge einer Sozialeinrichtung außerhalb der gesellschaftlichen Konventionen. Das ist in den Augen der Regisseure ein poetisches Vorrecht.“10

„Risikomanagement“, d.h. als gefährlich geltende Bürger, die sich unkontrolliert verhalten, zu beruhigen, ist auch immer Aufgabe der offiziellen Psychiatrie, und die dort Tätigen fühlen sich hin- und hergerissen zwischen Hilfe und Kontrolle.
Ein in der Helsinki-Erklärung der EU formuliertes Ziel lautet : „Entwicklung eines Surveillancesystems für gutes psychisches Wohlbefinden und für psychische Gesundheitsprobleme, das Risikofaktoren und Hilfesuchverhalten einschließt und begleitende Beobachtung seiner Anwendung“.11

Diese Aufgabe – so unsere Erfahrung – lässt sich in großen Kliniken und mit Zwang weniger human lösen als in kleinen Einrichtungen durch Einbindung der Patienten in Gruppen mit Wertschätzung und Anerkennung. So entsteht bei den Menschen mehr subjektiv erlebte Sicherheit und Zugehörigkeit. Hier werden die Nutzer bei Interesse an Planungsprozessen und an inhaltlichen Diskussionen psychiatrischer Themen beteiligt und finden Gleichgesinnte für ihre Interessen.12
Weinmann sieht dabei allerdings vor allem „Beaufsichtigung und Kontrolle der Patienten außerhalb der Klinik“, und bescheinigt der gemeindenahen Psychiatrie, dass sie dieses Ziel erreicht. Obwohl er die Sozialpsychiatrie auch als “ blauäugig“ charakterisiert, könne sie „Gewaltpotenziale erkennen und Unauffälligkeit gewährleisten“.

Irreführungen in der Psychiatrie und Warnungen
Das Provozierende an Weinmanns Buch: für Patienten gefährliche Zustände in der Psychiatrie werden als „Schlaglichter“ auf ein Hauptproblem zurückgeführt, nämlich auf gezielte Irreführungen, Täuschungen und Selbsttäuschungen der ärztlichen Mitarbeiter und der Behandelten. „Bewusste Täuschung gibt es sicher seitens der pharmazeutische Industrie.“ „Des Weiteren zeigt sich… dass eine evidenzbasierte Psychiatrie… ein fragwürdiges und oft in die Irre führendes Konzept ist.“

Von der Sache her sicher ein Frontalangriff Weinmanns, der allerdings gar nicht aggressiv oder polarisierend (ohne „Nationalismus“!) rüberkommt,  sondern eher sachlich, argumentativ – von einem Klinikpsychiater, dem man das vielleicht eher nachsieht, weil er wenigstens den richtigen Stallgeruch hat.

Den weitreichenden Versprechungen von Hilfe durch die Psychiatrie müssen dementsprechend Warnungen vor ihren Täuschungen und Gefahren gegenüber gestellt werden. Weinmann gehört zu den unerschrockenen Warnern, deren Zahl in den letzten Jahren zunimmt – auch durch das Erstarken der Betroffenenbewegung.
Allerdings gibt Weinmann zu bedenken, Patienten vor der Psychiatrie insgesamt zu warnen, könne dazu führen, dass „Hoffnungslosigkeit auftritt“.
Das Hilfesystem sollte vielmehr in der Lage sein, mehr Eigenwilligkeit der Betroffenen zu akzeptieren, „Menschen und deren Gehirne nicht einfach korrigieren zu wollen und psychische Krisen als psychosoziale Krisen zu begreifen, die oft nur mit der Umgebung zusammen entwirrt werden können.“13

Weinmann sieht diese Vorgänge der Täuschung und Selbsttäuschung als Entlastungsversuch für Gesellschaft und Angehörige, um sich selbst und die eigenen Lebensumstände nicht problematisieren zu müssen14: „die Standards und Regeln des Fachgebietes sind ein Versuch der Bewältigung (beidseitiger) Hilflosigkeit“.

Was geht in den Köpfen der Psychiater vor sich?
Weinmann fordert, „wenn man die gegenwärtige Psychiatrie verstehen will, muss man verstehen, was in den Köpfen von Psychiatern vor sich geht“ (Hervorhebung im Original, d. Verf.), und meint, „der Weg von der Untersuchung der Selbstwert stärkenden Täuschungen der Patienten zu denjenigen der Behandler ist nicht weit und sollte – dies ist eine der zentralen Thesen des Buches – mutig beschritten werden.“

Die folgenden Beobachtungen Weimanns lassen sich tatsächlich als „Selbstwert stärkend“ verstehen.
Den Kollegen in der stationären Psychiatrie gehe es häufig primär darum, Status zu gewinnen, oder ihn zu erhalten.
Sie maßen sich nicht vorhandene Kompetenzen an. „Die Psychiatrie ist vermessen…, wie sie die Halb- und Unwahrheiten, die sie zutage fördert, für bare Münze nimmt, wenn sie die Ergebnisse als direkt anwendbare wissenschaftliche Erkenntnisse begreift, sowie teilweise vermarktet ohne die Grenzen ihrer Methodik in Rechnung zu stellen. Nicht die Forschung und die Publikationen, vielmehr der damit verbundene Anspruch und die damit einhergehende Anmaßung sind das Problem.“
In seiner Rezension des Weinmannschen Buches  bescheinigt der Psychiater Gunter Kruse seiner Berufsgruppe „Hochnäsigkeit“ und „Selbstherrlichkeit“.15

Um die wenig renommierte medizinische Psychiatrie anderen medizinischen Fachgebieten  gleichzustellen, werde Wissenschaftlichkeit und Professionalität suggeriert, auch wenn dieses Versprechen nicht erfüllt werden könne.

Den Arztberuf als Alleinstellungsmerkmal für Fachlichkeit in der Psychiatrie selbstwertstärkend hochzustilisieren durch Diskriminierung anderer Berufsgruppen ist tatsächlich immer noch gängige Praxis einiger Klinikdirektoren:
Der Psychiater Pollmächer, Professor Dr., Vorsitzender der  Bundesdirektorenkonferenz, und designierter Präsident des Fachverbandes DGPPN, einer der aktivsten Kämpfer für biologische Psychiatrie, vergleicht beispielsweise Psychologische Psychotherapeuten mit unausgebildeten indischen Barfußärzten. „Barfußärzte für die Seele auszubilden ist annähernd so absurd wie es der Vorschlag wäre, das Zähnereißen wie im Mittelalter wieder dem Friseur zu überlassen.“16

Hier dominieren Schwarz-weiß-Denken, Schwierigkeiten Ambiguität zu ertragen, und die Unbedingtheit einer geschlossenen Welt, die andere Wertesysteme nicht akzeptiert. Auffassungen werden schnell zur Ideologie, zum Dogma. Sie dienen nicht in erster Linie der Unterstützung des Patienten, sondern der eigenen Sicherheit der Mitarbeiter als „Ersatzsicherheit“ im Sinne des EREPRO Essays „Grenzen unserer  Menschlichkeit. Wie gefährlich sind psychisch Kranke?“17
Noch mal Orwell: „Entscheidend ist: Sobald Angst, Hass, Eifersucht und Machtverehrung im Spiel sind, ist der Realitätssinn außer Kraft gesetzt. Und wie ich bereits erwähnt habe, ist auch das Gefühl für Richtig und Falsch, für Gut und Böse gestört. Es gibt absolut kein Verbrechen18, das sich nicht entschuldigen lässt, wenn »unsere« Seite es begeht. Selbst wenn man nicht leugnet, dass das Verbrechen geschehen ist, selbst wenn man weiß, dass es sich um genau das gleiche Verbrechen handelt, das man in einem anderen Fall verurteilt hat, selbst wenn man in intellektueller Hinsicht zugibt, dass es keine Rechtfertigung für dieses Verbrechen gibt – selbst dann hat man möglicherweise das Gefühl dafür verloren, dass es Unrecht ist. Es geht um Loyalität, und deshalb zählen Mitgefühl und Bedauern nicht mehr.“ „Unter anderem der besessene Glaube an die eigene Überlegenheit und der Unwille, sein Handeln an realen Fakten auszurichten.“19 „Dieser mangelnde Realitätssinn kann nur durch übertriebene Betonung der eigenen Erhabenheit kompensiert werden.“20

Unhinterfragte Autorität von Psychiatriemitarbeitern
Resultat dieses Machtstrebens und Dominanzverhaltens in der stationären Psychiatrie ist eine zunehmend unhinterfragte Autorität von Psychiatern, die allerdings den Erwartungen vieler Menschen heute entgegenkommt, und Grandiositätsgefühle der Mitarbeiter weiter verstärken kann.
Denn die Zahl der Menschen, die belastet sind durch den Stress des täglichen Lebens, wächst.  Sie wünschen in einer Krise die (täuschende) Sicherheit einer „offiziellen“, „professionellen“ Behandlung durch eine anerkannte Kapazität, wobei sie sich nicht öffnen möchten, sondern eine Fassade aufrecht erhalten, und nicht mit Anforderungen  (z.B. auf „Änderung“) konfrontiert werden wollen. Sie erwarten Medikamente, Ruhe und Entspannung in Räumen mit guter Versorgung (Kliniken), die jederzeit ohne große Kosten (= krankenkassenfinanziert) bereitstehen. Diese Menschen dringen auf einfache Lösungen, sowie schnelle, effektive Beseitigung der Störung ihres Wohlbefindens.

Es ist gängige Praxis in der Psychiatrie, Schicksalsschläge als „Auslöser“ von „Krankheiten“ zu relativieren, da das Akzeptieren von Schicksalsschlägen die Macht der Helfer begrenzen würde.21 Es dominiert auch hier – wieder entsprechend gesellschaftlicher Erwartungen – ein Allwissenheits- und Allgültigkeits-Komplex.
Die Gefahr, in diese Falle zu tappen, ist für alle Mitarbeiter in der Psychiatrie immer wieder gegeben. Besonders häufig finden sich bei dieser Haltung, die sich sogar (meist unhaltbare) Prognosen zutraut, die beschriebenen „festgefahrene Denkmuster und Vor-Urteile“.22

Eine solche Psychiatrie kann negative Folgen für die Patienten haben. „Sie  steuert die Menschen in ein Parallelsystem aus, indem schwerwiegende Eingriffe in ihr Gehirn durch hochdosierte Medikamente vorgenommen werden, sowie frühe Berentungen mit der Folge von Chronifizierung.“ (Weinmann)

Eingeschränktes Verständnis von Wissenschaftlichkeit
Die Naturwissenschaften, besonders die Biologie, gilt vielen Psychiatern als einzige Fachrichtung, der sie „richtige Wissenschaftlichkeit“ zuschreiben.
Die Erkenntnisse anderer – sozialwissenschaftlicher – Wissensgebiete ignorieren sie, oder diskriminieren sie sogar. Das geschieht aus einem „Bedürfnis nach Eindeutigkeit dieser scheinbar objektiven Grundlage für therapeutisches Handeln“.  Zur Erklärung spricht Weinmann weiter von dem sozialen Prozess des Selbstschutzes der Profession.23

Dazu Klaus Dörner (ebenfalls Psychiater und ehemaliger Klinikdirektor): „Wir Mediziner täten gut daran, drei Schritte zurückzutreten, um aus einer distanzierteren Sichtweise zu erkennen, was aus anthropologischer Sicht alles zum Wesen des Menschen, der Anthropologie, gehört, um dann in speziellen Fächern zu entscheiden, was kann man medizinisch verordnen, was juristisch, was poetisch-geisteswissenschaftlich, was historisch etc..“
Jede Wissenschaft braucht auch ihre „philosophische Reflexionsebene.“24

Diese Ignoranz der offiziellen Psychiatrie erklärt auch den Tonfall, in dem der Psychiater Mark Galliker in seiner Rezension von Weinmanns Buch allen Ernstes fragt, „Welche Beiträge von Seiten der Sozialwissenschaften zum Bereich der Psychiatrie in theoretischer sowie praktischer Hinsicht liegen schon vor und können in Zukunft erwartet werden?“25
Das ist ein Hinweis auf ein Informations- bzw. Bildungsdefizit, das hoffentlich in dem geplanten neuen Psychotherapie-Studiengang behoben wird, und wirft ein Licht auf das kulturelle, anthropologische Niveau der heutigen Psychiatrie.

Eine weitere kritische Feststellung Weinmanns: dass Medikamentenforschung ihre Ergebnisse systematisch schönfärbt, um Wirksamkeit der Behandlung mit Psychopharmaka vorzutäuschen, und Allmacht zu suggerieren. Das wird niemanden überraschen, das Profitinteresse der Pharmaindustrie ist bekannt.26
Weinmann behandelt das Thema Psychopharmaka sehr gründlich und differenziert. Darauf  im Einzelnen einzugehen sprengt den Rahmen dieses Textes.
Hier nur so viel (O-ton Weinmann): „Nur wenn wir uns der Begrenztheit der Psychopharmaka, der Verfälschungen der Evidenz zu ihrer Wirksamkeit bei psychischen Problemen und ihrer zentralen Rolle in der Aufrechterhaltung einer biomedizinisch gelebten Psychiatrie bewusst sind, und uns aus einer einfachen pro – contra – Haltung befreien, können wir einen Beitrag zur Verbesserung der Psychiatrie und zur gesamten psychiatrischen Versorgung leisten“.
Hinter vielen Befunden der Psychiatrie stecke das gleiche Prinzip wie beim Voodoo-Zauber. Hier bezieht sich Weinmann auf den Autor Felix Hasler, der in seinem Buch „Neuromythologie“ einen „Wish Bias“27 eindringlich darstellt, und zeigt wie Positionen-Emissions-Tomographie (PET), Magnetresonanztomographie (MRT) und Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie (SPECT) als „Evidenzmaschinen“ zu „Kulturikonen“ und „geheiligten Objekten“ werden konnten.
„Es gibt überhaupt keine wissenschaftliche Evidenz, dass die psychiatrische Behandlung und Versorgung,  wie wir sie betreiben, die richtige ist.“ Sie ist Manipulation,.. „das Ergebnis unserer Kultur und nicht zwingender als ein schamanisches Vorgehen. Aber das biopsychiatrische Modell wird mit Geld und Anerkennung bedacht und auch dadurch als die dominierende Sicht und Behandlungsweise fortgeschrieben.“28

Des Kaisers neue Kleider
Täuschung durch Tendenz zur kollektiven, gemeinschaftlichen Lüge, wie Weinmann sie für die klassische Psychiatrie annimmt, demonstriert Stärke, verschafft den Akteuren Freiheit und ist ein Machtinstrument. Das dokumentiert der Spiegelautor Manfred Dworschak anhand mehrerer Beispiele.29 Seine Schlussfolgerung: „So ist das, wenn die Lüge zur sozialen Macht geworden ist. Dann kann sie die Realität zur Fiktion erklären…  Dann bestimmt der Stärkere, was…(Sache) ist und was nicht.“

„Diese Strategie sei zudem attraktiv, weil der Lügner durch die Lüge, die von allen als solche auch wahrgenommen wird, Loyalität signalisiert.“ Aber: „Was die Kader der Lüge treffen kann, ist das Erleben von Schwäche und Isolation.“
Hinweise auf Schwächen werden in Weinmanns Text immerhin deutlich: „Wie kann man als Forscher und Psychiater kognitiv mit diesen Diskrepanzen in den Befunden, der nur teilweisen Replizierbarkeit, den Überschneidungen der Krankheitseinheiten, der fehlenden Anwendbarkeit der Ergebnisse in der Praxis und den sonstigen Unschärfen in der Psychiatrie umgehen? Letztlich müssen wir sagen: eigentlich wissen wir sehr wenig…“ „Niemand weiß, was bei einer Depression oder einer Schizophrenie im Gehirn passiert. Aber wir behaupten, wir wüssten es zumindest zum Teil, und tun so, als handle es sich um Hinweise auf Schwächen werden in Weinmanns Text immerhin deutlich: „Wie kann man als Forscher und Psychiater kognitiv mit diesen Diskrepanzen in den Befunden, der nur teilweisen Replizierbarkeit, den Überschneidungen der Krankheitseinheiten, der fehlenden Anwendbarkeit der Ergebnisse in der Praxis und den sonstigen Unschärfen in der Psychiatrie umgehen? Letztlich müssen wir sagen: eigentlich wissen wir sehr wenig…“ „Niemand weiß, was bei einer Depression oder einer Schizophrenie im Gehirn passiert. Aber wir behaupten, wir wüssten es zumindest zum Teil, und tun so, als handle es sich um Erkrankungen mit nicht nur einem biologischen Korrelat, sondern mit einer biologischen Verursachung –  einer strukturellen oder funktionellen Störung im Gehirn.“

Der Psychiatrie – als totaler Institution im Sinne von Goffman30 – gelingt es offenbar, eine Scheinwelt, Potemkinsche Dörfer zum Erhalt der eigenen  Großartigkeit zu schaffen.31
In dem Märchen von Andersen „Des Kaisers neue Kleider“ heißt es, dass die Leute vor der Entscheidung standen „Ansehen und Wohlstand oder Wahrheit“.32
Wir wissen, wie sie sich entschieden – gegen die  Wahrheit des nackten Kaisers. „In der mittelalterlichen spanischen Vorlage…. ist es nicht ein unschuldiges Kind, das die Wahrheit ausspricht, sondern ein ’schwarzer Rossknecht‘, der „ohnehin am Fuß der sozialen Rangordnung steht“.33  Sind es demnach heute einige der Psychiatrieerfahrenen, die in ihren Kommentaren zu den drei Artikeln über „Die Vergessenen“ bei EREPRO aus eigener schrecklicher Erfahrung die Wahrheit über die schlimmsten Formen der Psychiatrie im Maßregelvollzug ohne Scheu einfach aussprechen?33

Weinman legt zur Macht der Institution Psychiatrie dar: „Wer einmal die Definitionsmacht besitzt und es geschafft, hat Forschungstöpfe, Fachgesellschaften und Ausbildungsinhalte für die Ärzte und andere Psychiatrietätige sowie die klinische Praxis in den Einrichtungen zu prägen, wird wenig grundsätzliche Kritik am eigenen Fachgebiet akzeptieren, oder die eigenen Forschungen und die eigenen klinische Praxis zugrunde liegenden Annahmen in Frage stellen.“

Fehlentwicklungen
„Vorrang wirtschaftlicher Eigeninteressen“ attestiert Weinmann der privatisierten stationären Psychiatrie. Auch ambulanten Einrichtungen wird dieses angelastet:
„das Betreiben von Einrichtungen für psychisch Kranke muss sich rentieren, hier gibt es keinen Zweifel, es ist eben auch ein Geschäft geworden.“
Die von Weinmann beschriebenen „Fehler“ der  Gemeindepsychiatrie sind großteils bedingt durch ein ungeeignetes, Einzelfall bezogenes Finanzierungsmodell und nicht in erster Linie durch Unzulänglichkeiten der Tätigen, obwohl er ihnen auch Selbsttäuschung vorwirft.
Dieses bürokratische Verfahren zwingt Einrichtungsträger förmlich, „wirtschaftlichen Eigeninteressen“ vor dem Bedarf des Patienten den Vorrang zu geben, wollen sie nicht bei unbelegten Plätzen auf ihren Kosten sitzen bleiben.

Zu der widersprüchlichen Beschaffenheit des aktuellen Psychiatriesystems gehört die Trennung zwischen Psychiatrie und Psychotherapie, die nicht nur diskriminierend für die psychiatrischen Patienten ist, sondern auch die fachliche Qualität der „Behandlung“ einschränken kann. Für Menschen mit schwersten psychischen Belastungen sollten Psychotherapeuten mit psychologisch-pädagogischem Wissen und Erfahrung zur Verfügung stehen – auch in Sozialpsychiatrischer Diensten und Beratungsstellen. Stellenpläne sollten dringend entsprechend geändert werden. Auch der Übergang hin und her zwischen den beiden Bereichen Psychotherapie und Psychiatrie sollte organisatorisch erleichtert werden. Wie weit die sogenannte „Lotsenregelung“ von Jens Spahn das Problem löst, ist mehr als umstritten.34

Es ist eine weitere Verrücktheit der Psychiatrie, die Weinmann scharf kritisiert, dass Psychopharmakaeinnahme häufig zur Disziplinierung von Patienten eingesetzt wird, sogar Bedingung zur Aufnahme in gemeindepsychiatrische Einrichtungen wird.
Wir kennen diesen unsäglichen Missstand auch aus der Praxis, aber nicht nur aus Betreuten Wohngemeinschaften, sondern sogar aus psychiatrischen Kliniken!!

Schwieriger zu beschreiben ist folgende verbreitete Fehlentwicklung: das Phänomen, dass Psychopharmaka als eine Art Joker eingesetzt werden.
Trotz grundsätzlicher Skepsis gegenüber medikamentöser Behandlung und trotz der Tatsache, dass bayerische Sozialpsychiatrische Dienste keine Medikamente verschreiben können – auch der Arzt nicht,  spielen sie für viele Mitarbeiter eine Rolle als letzter Ausweg. Wenn in einer Krise die Kommunikation sehr erschwert ist, Angst vor Unkontrollierbarkeit bei Klienten und Mitarbeitern vorherrscht, beruhigt es, doch darauf zurückgreifen zu können – natürlich im guten Glauben an die Seriosität der Experten. Bequemlichkeit mag in manchen Situationen auch eine Rolle spielen. Aber die wenigsten rechnen mit dem Ausmaß an Täuschung, wie Weinman sie beschreibt.
Farbe bekennen bedeutet also auch, daß dieses Wissen an Tätige in der Psychiatrie und an Klienten weitergegeben wird, und und nicht verdrängt wird, Medikamente also nur im äußersten Notfall empfohlen werden.

Vertrauen und Sicherheit bei Patienten kann nicht erreicht werden durch blinden Gehorsam gegenüber Anweisungen, durch strikte Regeln, oder durch Belohnung und Bestrafung und erst recht nicht durch die Ausübung von Zwang.
Nach UN-Sicherheitsbericht-Erstatter Nils Melzer „zielen Methoden psychologischer Folter auf grundliegende psychisch-soziale Bedürfnisse des Opfers ab: Sicherheit, Selbstbestimmung, Würde und Identität, Orientierung in der Umgebung, soziale und emotionale Beziehungen, Vertrauen in die Gemeinschaft.“35

„Psychiatrische Kliniken und andere Einrichtungen dienen für High Utilizer (Vielnutzer) als Versorgungsinstitution“, moniert Weinmann, „so dass psychosoziale  Faktoren und Charakteristika eine größere Bedeutung für die Inanspruchnahme haben als klinische, also eine Fehlversorgung vorliegt.“
Untersuchungen haben gezeigt, dass 50 bis 80% der für die psychiatrische Versorgung verfügbaren Ressourcen für diese Gruppe meist jüngerer, männlicher Patienten – mit psychotischen Symptomen, (oft mit Suchterkrankung) verwendet werden. Als Ursache dieser Unverhältnismäßigkeit gilt ein minimales soziales Netz, mehr soziale Probleme als andere Patienten und weniger familiäre Kontakte. Gegenüber dieser Fehlentwicklung ist Abhilfe durch Kliniken ziemlich chancenlos.
Ein Rezensent (Mark Galliker) des Weinmann’schen Buches fragt an dieser Stelle: „Einsicht (in die Hilflosigkeit der Klinikpsychiater, der Verf.) und Abstinenz würde wohl den Verlust ihrer beschränkten Möglichkeiten bedeuten, oder sollen sie auf den sozialen Bereich übergreifen, für den eigentlich die Sozialarbeiter/-innen zuständig sind?“36

Die Angebote der Psychiatrie müssten also für diese Nutzer ganz anders aussehen.
Die Kommission der Psychiatrie-Enquete von 1975  fordert ausdrücklich für diese Zielgruppe, die damals so genannten „chronischen Patienten“, die neue gemeindepsychiatrische Versorgung, und hat 1988  durch eine Expertenkommission überprüfen lassen, wieweit diese Menschen tatsächlich erreicht wurden.37
Unserer Erfahrung nach können tatsächlich ambulante, pauschal finanzierte, dezentrale  Einrichtungen bei aktiver Beteiligung der Patienten – idealerweise mit einigen Übernachtungsbetten – und vielfältigen Gruppenangeboten diesen Bedarf viel besser decken und damit gleichzeitig beachtliche Ressourcen in psychiatrischen Kliniken freisetzen.

Psychiatrie mit emanzipatorischen Zielen
Menschenwürdige Psychiatrie, welche Bedürfnisse des einzelnen Patienten in den Mittelpunkt stellt, setzt Spielraum zur kreativen, flexiblen Gestaltung der Häufigkeit und Intensität des Kontaktes voraus – je nach  Befindlichkeit des Klienten. Dem steht die einzelfallbezogene Finanzierung und Abrechnung einzelner Leistungen im Weg.
Voraussetzung einer bedarfsgerechten, dynamisch gestaffelten Gestaltung der Hilfen ist eine Pauschalfinanzierung, die keine Diagnostizierung per ICD voraussetzt, so dass der Patient anonym bleiben kann.
Darum sind flächendeckend regionale, niederschwellige ambulante erforderlich mit multiprofessionellen Teams und Ex-IN Genesungsbegleitern38 besetzt, pauschal gemäß Förderrichtlinien finanziert, ohne Prüfung der finanziellen Bedürftigkeit der Patienten, unter Wahrung der Anonymität, um leichteren Zugang zu ermöglichen und Stigmatisierung zu vermeiden.
Eine menschenwürdige Psychiatrie sollte uns eine gewisse monetäre Großzügigkeit und Verzicht auf erbsenzählerischen Bürokratismus wert sein. Ein Verlust lukrativer Posten bei Verkleinerung oder Schließung psychiatrischer Kliniken kann eintreten, darf aber nicht den Ausschlag geben, dieses ambulante Modell abzulehnen.
Dass es sich hierbei um eine realistische pauschale Finanzierungsmöglichkeit handelt, zeigt die Tatsache, dass sie flächendeckend in sämtlichen Bayerischen Sozialpsychiatrischen Diensten aller Landkreise und kreisfreien Städten seit Anfang der 80er Jahre praktiziert wird.39

Emanzipatorische Ziele für die Patienten, basierend auf mehr Menschenrechten, sieht Weinmann eigentlich nur bei der Betroffenenbewegung verwirklicht.40
Dass er die vielfachen gemeinsamen Bemühungen von Mitarbeitern und Patienten im ambulanten Setting um deren Selbstbestimmung kaum wahrnimmt, haben wir oben erwähnt.
Angesichts drohender Verwahrlosung oder gar Obdachlosigkeit selbstbestimmt lebender Psychiatriepatienten ist es nicht leicht, nicht  über „Unterversorgung“ zu klagen oder auf den Ordnung stiftenden „wohlwollenden Paternalismus“ zurück zu greifen, was nahe liegt und wohin auch Weinmann tendiert.
Diese Bevormundung ist dann allerdings nicht nur demütigend und stört die Vertrauensbeziehung, sondern beschneidet auch Lernprozesse der Klienten.
Emanzipatorische Psychiatrie will nun aber gerade nicht in erster Linie „Unauffälligkeit“ (s.o.) garantieren, sondern Raum geben für Eigenwilligkeit und persönliche Prägungen, Gelegenheit zur Wahrnehmung und Spiegelung eigenen Verhaltens durch Mitmenschen bieten, so dass mehr Selbstreflexion möglich wird. Diese aufwändigere, aber nicht weniger erfolgreiche Form „sozialer Kontrolle“, basiert jedoch auf einer wesentlichen Voraussetzung: „Den Menschen mehr Entscheidungsfreiheit zu lassen“ darf nicht bedeuten, sie allein zu lassen.41

Aus der kritischen Sicht Weinmanns erscheint es schon als fortschrittlich, wenn Psychiatrie den psychosozialen Kontext eines Klienten überhaupt beachtet und nicht nur medikamentös behandelt. Folgerichtig bewertet er „die Isolation des zur Diagnostik der Patienten beobachteten Symptoms aus dem sozialen Zusammenhang“ negativ, das mache „dessen eigentliche Bedeutung und Funktionalität zunichte“, obwohl es alltägliche Praxis in psychiatrischen Kliniken ist. Das Symptom werde zur eigenen Wirklichkeit, an der Therapien ausprobiert werden, bis es verschwindet.
Der hehre Vorsatz, den psychosozialen Lebensraum eines Klienten mit  zu berücksichtigen sollte aber nicht nur bedeuten, Stressfaktoren zu identifizieren.
Emanzipatorische Psychiatrie,  die immer versucht, etwas über die Biografie, die Traumata und Lösungsversuche, sowie über Bezugspersonen des Klienten zu erfahren, entwirft ein komplexes Bild, das immer wieder korrigiert und ergänzt wird. Ein großes Missverständnis, wenn man es sich bequem macht, oder wenn sogar  Richtlinien es als „wissenschaftlicher“ vorschreiben, dieses Verfahren durch eine schematische ICD-Diagnose zu ersetzen.

Einer der wichtigsten Sätze aus unserer Sicht in Weinmanns Buch:
Erforderlich ist „die Akzeptanz des Betroffenen als des Verschiedenen, aber nicht grundsätzlich Anderen.“
Wer eine grundlegende Gemeinsamkeit menschlicher Wesen leugnet, Basis der Menschenrechte,  kommt einer rassistischen Denkweise gefährlich nahe.
Auch psychiatrische Gewalt wird so gerechtfertigt.42
Weinmann spricht hier von dem „folgenschwersten Muster“ in der Psychiatrie der „Denkschablone“ von „‚wir‘ und ’sie‘.“
Man  erlebt es immer wieder, genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister, und es werden vehemente, oft sehr emotionale Kontroversen in der Psychiatrie ausgelöst.43
Wer den „Nutzen eines Menschen für die Gesellschaft zu steigern“,  als wichtiges Ziel von Psychiatrie ansieht, wird diejenigen Patienten  möglicherweise vernachlässigen, die dem nicht genügen (können).44
Der unreflektierte Umgang mit dem Zielbegriff „normalisieren“ geht in eine ähnliche Richtung. Dabei steht Erwerbstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt als Forderung im Mittelpunkt.
Vom „Leben innerhalb und außerhalb des Systems“ ist die Rede, kein Weg führe aus dem System heraus in die „Gemeinschaft der Normalen“.

Dem steht das Ziel anderer Psychiatrie-Akteure gegenüber, Menschen mit Problemen zu ermutigen, deren vermeintliche Andersartigkeit nur eine Variante des Menschseins ist, ihre eigene Art anzunehmen und Hilfe zu suchen, um einen Platz in der Gesellschaft zu finden, an dem sie  akzeptiert und geschätzt werden.

Autonomie des Patienten?
Die klassische Psychiatrie stellt die utopische Anforderung an Patienten, als „autonomes“ Wesen rational und verantwortlich zu handeln.
Niemand kann einen solchen Anspruch erfüllen. Er dient aber als Folie für das negative Gegenteil.
Thomas Beddies nennt das eine „dauernd verunsichernde, jede und jeden betreffende und potentiell gefährdende Forderung nach Vollendung des Individuums“.45

„Nur so konnte das falsche Bild vom gefährlichen unkontrollierbaren psychisch Kranken entstehen, eine unrealistische Vorstellung vom autonomen Einzelnen,  dessen Einbettung in seinen sozialen Kontext übersehen wird“. Psychiatrie fördert damit, „ein wildes Patientenbashing“ und „immer mehr Behandlungsbedürftigkeit“ anstatt sich selbst langfristig überflüssig zu machen.“46

In heutigen philosophischen Überlegungen stehen Netzwerke in Mittelpunkt. „Statt das Individuum in den Vordergrund zu rücken, sind die Theorien bestimmt von der Idee , dass das Leben sich erst im Zusammenspiel von Kräften und gleichberechtigten Akteuren organisiert.(…) Vernetzung wird als das wesentliche Prinzip der Evolution gesetzt. Die ganzer Zivilisation lässt sich aus diesem Blickwinkel als Resultat von Kooperation und Teamwork verstehen.“47
Johannes Althusius (1613) verdanken wir die Überlegung, dass „das Bedürfnis des Menschen nach consilium et auxilium ein Grund der Vergesellschaftung und der Unmöglichkeit der Existenz eines autarken Individuums“ sei.48
„Wo die gottgegebene Soziabilität nicht mehr vorausgesetzt werden kann, sind alle Gesellungen Menschenwerk und beruhen auf Gewalt oder einem der Vernunft folgenden Konsens. Folge eines von isolierten und autonomen Individuen explizit oder implizit miteinander abzuschließenden Vertrages.“
Bei dem Studium der Geschichte der Individualität – dem Buch von Michael Sonntag –  stellt man übrigens verblüfft fest, dass sich die historischen Ideen von Individualität heute andeutungsweise in den Vorstellungen von Psychiatrie-Mitarbeitern wiederfinden lassen.
Auch Sonntag sieht  einen Gegenentwurf zum Bild des atomisierten Individuums als notwendig an, „vielleicht muss man von hier aus das Individuum wieder als Gemeinschaftswesen sehen und dies als Bedingung der Möglichkeit jeder Individualität begreifen (…) im Zentrum dieses Wandels steht die durch das moderne Gemeinwesen zu garantierende Autonomie des Individuums. Damit ist (…) gemeint eine in der politischen und gesellschaftlichen Praxis stets aufs neue zu validierende Gleichheit der Rechte und eine potentielle Freiheit des Handelns von Herrschafts- und Machtzwängen zumindestens als regulative Idee.“49

Aufrichtigkeit  und Vertrauen
Die Philosophin Hanna Meißner: „Wenn wir uns als autonome Subjekte konstituieren, müssen wir unsere Verletzbarkeit, unsere Abhängigkeiten auslagern oder verleugnen“.50
Es gehört Souveränität dazu, als Experte Unwissenheit zu gestehen, wirkt aber normalerweise auf das Gegenüber sympathisch und schafft Vertrauen.
Weinmann im Interview dazu: „Ich lebe mit der Diskrepanz zwischen Anspruch und meiner eigenen Wirklichkeit. Mir bleibt nur, diese Diskrepanz transparent zu machen und mit den Unsicherheiten gelassen umzugehen.“ Das kann Fundament einer Beziehung auf gleicher Augenhöhe sein.51

Aufrichtigkeit von Mitarbeitern in der Psychiatrie auch über eigene Probleme und Verwundbarkeit, die sich ohnehin gegenüber Klienten schwer verbergen lässt, vermittelt Glaubwürdigkeit und  Authentizität, auch wenn daran im Einzelnen für gewöhnlich kein Interesse der Patienten besteht.
Auf Achtung und Anerkennung  basierende Verständigungsbereitschaft der Fachkräfte gibt dem Gegenüber Sicherheit und kann Basis eines belastbaren Verhältnisses in der therapeutischen Situation werden.
Um es mit dem Filmemacher Ken Loach zu sagen: “ Wir betrügen euch nicht, das ist der Kontrakt mit dem Publikum. Wir zeigen nur auf der Leinwand, wovon wir wissen, es ist eine angemessene Lesart der Wirklichkeit.52

Auch die Mitarbeiter  profitieren von einem solchen vertrauensvollen Kontakt.
Auch sie können sich akzeptiert und anerkannt fühlen. Sie erleben den „psychisch Kranken“ als Mitmenschen, zu dem eine Verbindung besteht, nicht mehr als  gefährliche, unkalkulierbare Blackbox. So wird es leichter, mit der Angst vor Unkontrollierbarkeit in der Psychiatrie umzugehen.

Dass im Sinne der „Abstinenzregel“ diese Ehrlichkeit und Ausdruck von Wertschätzung von  Klienten als „unprofessionell“ abgelehnt und „Neutralität“ gefordert wird, wirft wieder ein Schlaglicht auf die deutlich unterschiedlichen  Wertvorstellungen in der Psychiatrie, die sichtbar gemacht werden sollten.53

Supervision
Die Beziehung zu Klienten in gemeindepsychiatrischen Einrichtungen wird selten privat, wie Weinmann annimmt, sondern bleibt bei aller Wertschätzung der Patienten in der Regel berufsmäßig, auch wenn sich der Umgang in gemeindepsychiatrischen Einrichtungen manchmal zunächst eher ungesteuert und spontan wie in einer Familie entwickelt.

Es besteht in SPDis Gelegenheit, in regelmäßigen, obligatorischen Besprechungen die Art der Beziehung zu Patienten zu klären, und zu versuchen, sie als eine vertrauensvolle und für den Patienten gedeihliche zu  gestalten.
Diese Beziehungsarbeit ist unabdingbar, um Fehler und schädliche Einflüsse  – ausgelöst durch Mitarbeiter – zu begrenzen, denn von vornherein vermeiden lassen sie sich nicht.
Ein Mitarbeiter beispielsweise, der ohne Training und Supervision dem Ansturm der vielen Probleme schwer sozial und psychisch belasteter Menschen, „die ihr Leben  nicht im Griff haben“, ausgesetzt ist, und in unüberlegten Aktivismus verfällt, wie es vielen gesetzlichen Betreuern zunächst geht, wird leicht davon erschlagen. So jemand trägt dabei häufig kompensatorisch das Bild des „schrecklichen Problemfalls“ vor sich her und setzt  die eigene Person als „selbstlos“ ins rechte Licht. Das schadet mehr als es hilft, da nützt der gute Wille des Mitarbeiters nichts, und die gängigen Forderungen nach mehr Personal kaschieren häufig dieses Versagen nur.54
Die Meinung, auf diese Supervisionen verzichten zu können, ist kein Kennzeichen von Kompetenz – im Gegenteil. Gerade Routinen im gegenseitigen Kontakt  können schädliche Konstellationen verfestigen, die keine neuen Perspektiven für den Klienten eröffnen.

Wir brauchen hier eine umfassende Fehlerkultur auf Grundlage einer vertrauensvollen Kooperation von Mitarbeitern, wobei deren Wertschätzung auch durch des Leitungspersonals Voraussetzung ist.

Prävention
Früherkennung psychischer Erkrankungen bedeutet in der Praxis oft eine vorzeitige, stigmatisierende  Pathologisierung und Psychiatrisierung von Menschen mit Problemen. Primäre Prävention ist daher in der Psychiatrie umstritten.
Ganz neue Aspekte ergeben sich dazu durch das geplante Digitale-Versorgungs-Gesetz (jetzt: „Patientendatenschutzgesetz“).
„Patienten aber auch deren Kinder und Enkelkinder können schon früh eingestuft und damit „diskrimiert“ (im ursprünglichen Sinn des Wortes) werden. Mit den Daten aus der Gesundheitsklaut (so im Original, d. Verf.) gespeist, kann die künstliche Intelligenz exakt voraus berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Krankheit ausbricht und wie viel Krankheitstage dieser Patient voraussichtlich in den nächsten Jahren haben wird. Vernachlässigt wird dabei die menschliche Kompensationsfähigkeit. Die Fähigkeit, Schwächen und Mängel oder Behinderungen auszugleichen, findet keine Beachtung mehr – der Mensch wird nicht mehr individuell gewürdigt…. Ein immer unmenschlicher werdendes Klima, das nur noch von ‚objektiven‘ Algorithmen bestimmt wird, macht niemand mehr Freude, außer denjenigen, die davon profitieren.“55

Prävention läuft selbstverständlich auch unter dem Motto „Wohl des Patienten“, obwohl fatale Wirkungen von Vorgängen „sich selbsterfüllender Prophezeiungen“ dabei häufig übersehen werden.
„Wenn wir psychische Probleme falsch vermessen und darauf aufbauend wenig wirksame Therapien anwenden, hilft es nicht, unsere Misserfolge zu verleugnen und auf die Notwendigkeit zeitlich früherer Messungen, früherer Erkennung von Problemen und früherer Therapien hinzuwirken. Mehr vom Falschen kann das grundsätzliche Problem nie lösen,“ konstatiert Weinmann.

Sekundäre Prävention dagegen ist das A und O der Gemeindepsychiatrie.
Eine stabile emotionale Anbindung an einen ambulanten Dienst – auch ohne die Hilfe der  Fachkräfte regelmäßig aktiv zu nutzen – ist die Basis.
Dabei geht es vor allem um die Zielgruppe der oben beschriebenen „Vielnutzer“, aber beispielsweise auch um depressive ältere Damen.

Gezielt zusammengestellte  „Selbsthilfegruppen“ von Psychiatriepatienten mit einem in etwa gleichen sozioökonomischen Status und vergleichbaren Krankheitsbildern oder Hobbys bzw. Freizeitaktivitäten, bilden den festen Kern einer ambulanten  Einrichtung. Dieses kontinuierliche, gleichbleibende Angebot von regelmäßig stattfindenden Treffen, auf die Patienten nach Bedarf zurückgreifen können, auch wenn sie keine Klienten mehr sind, und nicht mehr regelmäßig teilnehmen. In sich anbahnenden  Krisen können diese Gruppen bzw. ihre Teilnehmer einen – auch abends und am Wochenende – erreichbarer Anlaufpunkt sein mit verlässlichen Kontakten zu vertrauten Personen – wenn nötig auch zu professionellen Mitarbeitern. Unter Rückgriff auf früher erarbeitete Lösungsmglichkeiten sind dann einige Beratungen meist ausreichend.

Die Gruppen bieten angenehme Gemeinschaftserlebnisse und Zugehörigkeit zu Menschen, auf deren Entgegenkommen und Solidarität man sich verlassen kann und deren Vorschlägen man aus dem Grund gerne freiwillig folgt.56

Mehr Sicherheitsgefühl bei Patienten und Mitarbeitern weniger Angst durch vertrauensvolle Beziehungen besonders in diesen Gruppen wird ohne Zweifel Symptome reduzieren, ebenso Krisen, Eskalation und Gewalt.
Chaotischem Verhalten aus Angst und Verzweiflung kann man so vorbeugen.57 Kurzschlussreaktionen von Klienten im Umgang mit Mitmenschen (auch  Polizisten beispielsweise) bei Kränkung und Demütigung können durch Kontaktaufnahme des Betroffenen und des Konfliktpartners mit diesen Vertrauenspersonen  erheblich reduziert werden.58

So das erfolgreich praktiziert Konzept für sekundäre Prävention eines ambulanten Psychiatrischen Dienstes.59
Die Inanspruchnahme eines ambulanten Dienstes sollte – je nach Bedarf des Klienten also gelockert werden können, bis zum ausschließlichen Kontakt mit Gruppenteilnehmern. Das setzt ein Ablösetraining der Mitarbeiter voraus.
Mithilfe eines solchen abgestuften Verfahrens werden wieder Schritte in die Selbstständigkeit möglich – zunächst „mit Netz“, mit Beratung und Anbindung an die Einrichtung, um dann nach der Erfahrung, dass es gelingt, und er/sie selber zurecht kommt, nur noch mit den in der Einrichtung gewonnenen sozialen Bezügen zu anderen (ehemaligen) Patientinnen, die zu „Freunden“ geworden sind.

Zu viel Schutz?
Ist das nun das in der Kritik von Röttgers oben zitierte „geschützte Paralleluniversum“? Dessen implizite Anforderungen an die gemeindenahe Psychiatrie gehen jedoch an den Problemen und Bedürfnissen von psychisch stark belasteten Menschen vorbei und orientieren sich an unreflektierten Klischees  über „Teilhabe psychisch kranker Menschen am ’normalen‚ (!) Leben“. Was bedeutet das schon?

Auch wenn es vielleicht nicht so aussieht, das beschriebene Angebot ambulanter Dienste mit sicheren Bezugspersonen, ist für die Teilhabe von psychiatrieerfahrenen Menschen am gesellschaftlichen Leben sinnvoll, eben als „selbstverständliche Kontaktmöglichkeit“, wie wir sie alle brauchen, die einer verrückt machenden sozialen Isolation entgegen wirkt.60
„Die faktischen Lebensgestaltungschancen des Individuums (hängen) offenbar zunehmend an seiner Rolle als Mitglied von ‚Gemeinschaften‘.“61

Solche Gruppen von gleichgesinnten  Psychiatrieerfahrenen sind ebenso Teil gesellschaftlichen Lebens, wie kirchliche Vereine oder Sportgruppen. Nichts rechtfertigt es, hier von „Parallelwelten“ zu sprechen. Nur weil sie im Bereich der Psychiatrie entstanden sind, und zum Teil noch in deren Räumlichkeiten stattfinden? Solange diese Räume nicht als Klinik oder „Psychiatrie“ schon von weitem erkennbar sind, kann auch von Stigmatisierung nicht die Rede sein.

„Ablösung der Patienten“ ist allerdings ein vorrangiges, aktiv zu verfolgendes Ziel in der Psychiatrie. Das klappt tatsächlich in vielen Fällen nicht.
Eine vertrauensvolle Beziehung wird für gewöhnlich erlebt als auf Dauer angelegt, und die Mitarbeiter müssen erst lernen und aktiv trainieren, allmählich mehr Abstand zu finden und „loszulassen“. Das ist nicht leicht zu verwirklichen, die erlebte emotionale Bindung zwischen Klient und Mitarbeiter steht dem entgegen. Ziel ist es, für den Krisenfall als Ansprechpartner in Erinnerung zu bleiben, auch wenn sehr lange kein Kontakt mehr bestand.
„Die Balance  zwischen Hilfebedürftigkeit  und Selbstverantwortung muss immer wieder neu austariert  werden, um Umgangsweisen zu finden, die beiden Aspekten soweit als irgend möglich gerecht werden, ohne dabei auf allgemeine Richtlinien oder Patentrezepte zurückgreifen zu können oder müssen.“ Auch das ein Zitat von Weinmann.
In  Kliniken wird leider viel zu wenig auf diese Ablösung geachtet. Als Höhepunkt dieser Fehlentwicklung die Groteske: Es gibt Klienten, die sich jedes Jahr einweisen lassen – zu ihrer Geburtagsfeier mit dem Klinikpersonal. Wenn wir Mitarbeiter ambulanter Dienste bei Kliniken gegen allzu lange Aufenthalte ihren bekannter Klienten protestieren, kommen immer wieder Vorwürfe der Klinik wegen angeblicher Unverantwortlichkeit und mangelnder Fürsorge.62

„Home-Treatment“ – ist eine Wunsch-Alternative des Autors Weinmann. Er spricht sich generell für mehr Flexibilisierung, Subjektorientierung und Sozialraumorientierung in der Psychiatrie aus und gegen die heute übliche „Langzeitverschreibung von Medikamenten flankiert von individualpsychotherapeutischen Behandlungsversuchen und einer langfristigen Eingliederung in ein Institutionensystem.“
„Psychiatrische Kliniken haben ab 2018 die Möglichkeit, schwer psychisch Kranken Home-Treatment durch Klinikteams anzubieten“. „Ein neuer Baustein in der Versorgung dieser Patienten (kommt) hinzu, der die Flexibilität für die individuellen Bedürfnisse erhöhen und auch stationäre Aufenthalte reduzieren soll: die stationsäquivalente psychiatrische Behandlung zu Hause durch multiprofessionelle Klinikteams.“63
Das Konzept verzichtet auf einen vertrauten Ort außerhalb der eigenen Wohnung, den man auch in einem schlechten psychischen Zustand aufsuchen kann. Und  damit auf eine wichtige erste Aktivierungsmöglichkeit für Patienten nach oder in einer Krise.. Das könnte einer passiven Versorgungshaltung Vorschub leisten, wenn die Leistung nicht nur in wirklich akuten Fällen bereit gestellt wird.
Gleiche Vorbehalte gelten für Soziotherapie, die nicht im engen Kontakt mit dem aktivierenden Angebot Sozialpsychiatrischer Diensten durchgeführt wird.

Andererseits lehnen Patienten Besuche von Psychiatriemitarbeitern nicht selten ab. Die Nachbarn sollen nichts von Psychiatrie mitkriegen, der Arbeitgeber schon gar nicht. Dieser Wunsch nach Zurückhaltung ist zu respektieren (Schweigepflicht).

Weinmann fällt über die gemeindepsychiatrische Arbeit missbilligende Urteile. „Schaffen wir die Bedarfe dieser schwer Kranken bisweilen selbst, indem wir sie überreden, unsere Medikamente zu nehmen und betreut zu wohnen, sie als erwerbsunfähig beurteilen, ihnen Plätze in Werkstätten für behinderte Menschen geben und ihnen positiven Stress aber auch Veränderungsmotivation nehmen?“ „Sie werden Teil eines mehr oder weniger hierarchischen, patriarchalischen oder aber eher wohlwollend-fürsorglichen, strukturierenden oder unterstützenden, teilweise auch fordernden manchmal eher liberalen Sozialsystems“… „Schaut man genauer hin, wurde oft nicht so viel erreicht mit Ausnahme einer mehr oder weniger stabilen ‚chronischen‘ Situation – oder der Betroffene hatte sich mit seiner hilfebedürftigen Rolle abgefunden oder sich nur noch gelegentlich dagegen gewehrt… Um versorgt zu werden, müssen sie krank bleiben, aber nur soweit, dass das System noch funktionsfähig bleibt“.
Inwieweit gilt ähnliche Kritik auch für Home-Treatment?

Mitarbeiter ambulanter psychiatrischer Dienste, die – entsprechend der Vorgabe der Enquete von 1975 – den Auftrag haben, vorrangig ein Angebot  für „chronisch psychisch kranke Menschen“ zur Verfügung zu stellen, sind nicht „blauäugig“ und „zu wohlmeinend“, wie Weinmann öfters herablassend formuliert.
„Wir wollen solidarisch mit den Betroffenen daran arbeiten, die Belastungen zu reduzieren in einer Gemeinschaft mit Menschen, die zeitweilig nicht zurechtkommen mit bestimmten Situationen und Anforderungen dieser Gesellschaft, deren potentielle Menschenfeindlichkeit uns bewusst ist…Wir bieten ihnen einen Ort zum Leben, eine Gemeinschaft, wo der Mensch kreativ mit Hindernissen umgehen lernen kann. Wo er sich zeigen kann, gesehen wird. Nach dem Motto: ist in einer Gemeinschaft jede Einzelperson gleich gültig, kann ihr keine einzige gleichgültig sein.
Wir pflegen in  unserer Einrichtung bewusst eine Unternehmenskultur zur Ermöglichung eines Lebens ganz ohne stationäre (ein für alle Beteiligten sehr motivierendes Ziel) – und schließlich auch ohne ambulante – Psychiatrie. Ganz im Sinne ‚ambulant vor stationär‘, dem Motto der Bayerischen Bezirke, die die SPDis  finanzieren,“ sagt eine Mitarbeiterin dieser Sozialpsychiatrischen Dienste.

Das Projekt „Biotop Moosbach“ der Psychoanalytikerin Lilli Sachse, „Heilsame Erfahrungen“, 1994, zeigt ebenfalls, dass  sogar akute Psychosen weitgehend ohne Kliniken, in einer Gemeinschaft von Freunden in Kontakt mit einer Psychiaterin, bewältigt werden können.64

Standpunkt klar formulieren
Sicher könnten sich alle in der Psychiatrie darauf einigen, dass es – an irgendeinem Punkt – um das „Wohl“ des Patienten geht, ebenso, dass sie „sozialpsychiatrisch“ arbeiten. Aber das stark divergierende Verständnis und Vorgehen in der Psychiatrie impliziert bei diesen Labels sehr Unterschiedliches.

Müssen wir – in Zeiten zunehmender Rechtstendenzen – Standpunkte klarer formulieren und Unvereinbarkeiten mit anderen Auffassungen deutlicher hervorheben und damit menschenunwürdige Aspekte unserer Arbeit sichtbarer machen? Wie Weinmann es tut – ohne wenn und aber.
Ja, es wird Zeit, klare Linien zu ziehen und die unterschiedlichen Grundausrichtungen und ihre Folgen für die Menschen in der Psychiatrie zum Thema zu machen. Nicht nur einzelne – wie zufällige – Fehler der klassischen Psychiatrie beklagen, sondern Farbe bekennen bezüglich der politischen Ausrichtung. Und Diskussionen darüber führen ohne  unsachliche Diffamierungen, wie es Weinmann weitgehend gelingt.

Schlussbemerkungen
Weinmann hat uns  mit seinem Buch Mut gemacht, unsere Position gegenüber dem Psychiatrie Establishment einzunehmen und selbstbewusster zu vertreten.
An Verbesserung der Psychiatrie interessierte Mitarbeiter, die Fremdbestimmung der Patienten in der Klinikpsychiatrie verringern wollen, und für Toleranz und Achtung des Andersseienden und des Andersdenkenden eintreten, sollten ihre Kräfte bündeln.65
Dass das nicht selbstverständlich, sondern sicher schwer zu erreichen sein dürfte, zeigt sich daran, dass die verschiedenen Akteure in der Psychiatrie sich jeweils den anderen überlegen fühlen, wie Orwell es dargelegt hat: Fehlende Wertschätzung bei Professionellen untereinander und gegenüber Psychiatrieerfahrenen und Angehörigen, und bei Psychiatrieerfahrenen gegenüber Fachkräften und Angehörigen, und deren Ablehnung von Patientenwissen wie nicht selten von Fachwissen. s.o.
Dieser Artikel ist ein Plädoyer gegen das von Orwell beschriebene „Überlegenheitdenken“. Orwell sieht die Lösung in der „Aufforderung zur intellektuellen Anstrengung einer Selbstkritik, die die Bedingungen der eigenen Unparteilichkeit mit in den Blick nimmt.“ Weinmann hat gezeigt, wie man das versuchen kann.

Nicht nur diese eher psychischen Unzulänglichkeiten, sondern auch erschwerende Umstände (wie die gebotene Rückabwicklung der Privatisierung Psychiatrischer Kliniken) und unabänderliche Bedingungen tun ein weiteres, uns zu nötigen, eigene ldealvorstellungen über die psychiatrische Arbeit zu relativieren und darüber zu diskutieren, um Kompromisse zu finden.
Eine seit 100 Jahren etablierte Institution wie die Psychiatrie hat nicht nur eine starke Beharrungskraft sondern prägt auch die Erwartungen der  Bevölkerung an das Verhalten der Mitarbeiter und sanktioniert womöglich zunächst neue Ansätze. Von der háufig fehlenden Innovationsbereitschaft von Geldgebern gar nicht zu reden.
Bürokratische Hürden, die häufig mit enormem Zeitaufwand verbunden sind (beispielsweise Abrechnung und Qualitätssicherungsprogramme), dürfen nicht aus dem Blick geraten, und müssen gezielt minimiert werden – gerade in einer Branche, in der „Zeit“ eine der wichtigsten Ressourcen für menschenwürdige Arbeit ist.66
Die übergroße Dominanz stationärer Psychiatrie hängt auch zusammen mit den  besseren Karriere- und Verdienstmöglichkeiten. Aus einem Sozialpsychiatrischen Dienst war beispielsweise zu hören, dass die Vergütung der Leiterstelle für einen Familienvater mit zwei Kindern nicht ausreicht. Aufstiegsmöglichkeiten: ohnehin keine.

Allerdings – solange die Psychiatrie so konfus organisiert ist, und immer nur an einzelnen Sachverhalten herumgedoktert wird, ist sinnvolle Arbeit nur eingeschränkt möglich, von einzelnen Glücksfällen in Nischen abgesehen.
Es gehört Einsicht in die Fehlentwicklungen der Psychiatrie, Bewusstheit, Mut, Selbstkritik und Standhaftigkeit dazu, wenn man sich aus den Zwängen befreien will. Sehr schnell gerät man immer wieder in das Fahrwasser des Mainstreams.
„Die Fragen nach dem grundlegenden Menschenbild, nach der Rolle, der Rechtsstellung und der Würde der Betroffenen traten demgegenüber (d.h. gegenüber der konkreten Gestaltung der notwendigen Maßnahmen und Hilfen für die Betroffenen in den letzten Jahren, d. Verf.) in den Hintergrund.“67 So charakterisiert ein Positionapier  der Friedrich Ebert Stiftung die Entwicklung der Psychiatrie in Deutschland nach der Aufbruchstimmung in den 70er Jahren.

Die Gefahr von Fehlverhalten als Auswirkung des vorherrschenden Neoliberalismus besteht für alle in der Psychiatrie Tätigen und alle Einrichtungsformen, wie beschrieben.68
Farbe bekennen, das hat Weinmann geleistet. Insgesamt entsteht in seinem Buch ein ziemlich groteskes Bild von der Psychiatrie. Und es wird angedeutet, wie es anders sein könnte – müsste. Weinmann geht es allerdings nicht um eine Analyse neoliberaler Entwicklungen.
Tatsächlich kann es nicht beruhigen, die vielen Fehlentwicklungen sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich allgemein nur auf den dominierenden Neoliberalismus zurückzuführen.
Das von Weinmann gezeichnete Tableau, seine Vermessung der Psychiatrie, gipfelt in der Feststellung, dass ambulante Psychiatrie das Hilfsangebot der Wahl ist.

Diese strukturelle Situation der Psychiatrie wird sich indes durch Appelle kaum ändern. Eine grundlegende Reform wie in den 70er Jahren ist überfällig. Die Forderung nach einer neuen Enquete ist oft erhoben worden. Man muss  jedoch befürchten, dass diese wieder mit den bekannten Koryphäen, den Klinikdirektoren, besetzt wäre, die kein Interesse daran haben können, den Ast, auf dem sie sitzen abzusägen.
Ob es  gelingen könnte, ein solches Planungsgremium mit psychiatrieerfahrenen, dazu qualifizierten Fachkräften zu besetzen, die mehr wissen, worum es für Psychiatrie-Patienten geht, steht dahin. So wünschenswert es wäre.69
Es liegt unterdessen viel Wissen darüber vor, wie psychiatrische Hilfen im Interesse Hilfesuchender sinnvoll zu gestalten sind. Vor allem weil Betroffene sich deutlich äußern. Einiges haben wir hier nach Anregung durch Weinmann beschrieben.
Es ist in erster Linie die organisatorische Infrastruktur der Psychiatrie von sinnvollen psychiatrischen Hilfen im Sinne von „ambulant vor stationär“, die im Ganzen neu erarbeitet und konzipiert werden  müsste. Weinmann stellt fest, es fehle noch ein gutes Konzept für die Zukunft der Psychiatrie. Wobei es keine Frage ist, dass es endgültige Lösungen nicht geben wird, und der Prozess des Nachdenkens nicht aufhören darf. Aber der aktuelle „Stillstand der Psychiatrie“ könnte beendet werden, wenn endlich klar benannt würde, dass innerhalb der Psychiatrie verschiedene Wertesysteme bestehen, die sich in der praktischen Umsetzung sehr unterscheiden.

Aber muss man nicht trotz allem in eine Auseinandersetzung über die unterschiedlichen  Ausrichtungen eintreten?
„Das eine Ideal, die eine Wahrheit, sie sollen kein Privileg genießen und kein Anrecht auf Macht haben.
Demokratie ist andauernde Desillusionierung. Wir handeln nicht alle und nicht immer gut, frei und rational. Weil wir dies wissen, setzen wir auf den demokratischen Rechtsstaat als Ausgleich des Pluralismus und Relativismus der theoretischen und praktischen Wahrheiten und der sich daraus ergebenden Konflikte.“70
„Der Mensch ist das Lebewesen – würde jetzt Helmut Plessner sagen – das unauflöslich, schicksalhaft immer in solchen blödsinnigen Ambivalenzen steht und diese nicht aufzulösen vermag. Wenn er versucht, sie zu reduzieren, gibt es Probleme.“71
W. Ohnesorge

Anmerkungen und Hintergrundinformationen finden Sie in einer extra Datei (Sie kann hier geöffnet werden)

3 Gedanken zu „Farbe bekennen

  1. fange eben erst an zu lesen. Die sind wie immer sehr informativ aber man muß sich reinlesen.
    Habe vor ein paar Tagen eine gute Sendung über die Psychiatrie in den USA gesehen. Nannte sich BEDLAM…..und jetzt kann ich die Notizen nicht mehr finden die ich darüber gemacht habe…einschließlich die Produzenten der Sendung??? Nach Recherche von EREPRO handelt es sich eventuell um folgegnde Sendung: https://www.pbs.org/video/bedlam-9jx1rc/

    Allerdings ist die Situation hier wohl genauso hoffnungslos wie anderswo…
    Viel wird der Pharmaindustrie in die Schuhe geschoben, die seit 1950 noch keine bessere Lösung gefunden hat (musste ja wohl auch nicht) als die ursprünglichen Formeln der uptake Inhibitors usw. zu verfeinern, aber trotz neuer Erkenntnisse der Neurologie keinen Anstoß findet umzudenken und weiter tut was sie nicht lassen kann…

    Sensei (Sensei (japanisch für Lehrer hier für Aikido, EREPRO) Chuck hat einen Sohn mit Schizophrenie. Trotz vieler Hilfestellungen der Eltern hilft die private Wohnung kaum, denn, wenn er keine Meds nimmt, was immer wieder vorkommt, wird er gewalttätig und muß ebenso in Schranken gehalten werden, wenns drauf ankommt.
    Chuck hat gelegentlich die Besorgnis erwähnt, daß er im Notfall dem eigenen Sohn entgegentreten müsse.

    Sensei Klopp beschäftigt sich ausschließlich mit solchen Fällen (that is his job!), wenn sie im ER (emergency room – Notaufnahme, EREPRO) bei Johns Hopkins Hospital (weltweit berühmt!!), weil da oft die schwereren Fälle, meist von der Polizei angeliefert, und weiterhin betreut werden müssen, weil ein gewaltloser aber zwingender Approach verlangt ist….AIKIDO im psychiatrischen Bereich…ohne Schaden für Personal und betroffene Person bis die Medikamente wirken.
    Da Aikido eine harmonische, friedliebende Kampfkunst ist, (martial art) ist sie vortrefflich dazu geeignet, Gewalt unter Kontrolle zu bringen ohne Schaden zu verursachen.

    Das mit dem Eigenwillen akzeptieren ist so eine Sache…Wir wissen genau genommen gar nichts, wenns zu unseren Gehirnen kommt…eine oder zwei Synapsen, die falsch feuern, und da ist keine gelenkte Korrektur der Pharmaindustrie möglich, weil wir (die Wissenschaft) unsere Gehirnfunktionen kaum verstehen (Kindergarten Wissen!!). Um Chuck zu zitieren…“wir denken wir sind in Kontrolle, aber das ist eine Illusion…wir sind den Synapsen unserer Gehirne ausgeliefert…there by the grace of god go I“.

    Vielleicht sollten wir uns als Gesellschaft darauf einigen, daß nicht alle Menschen nützlich sein müssen.
    Wir lieben es, uns mit Haustieren und Hauspflanzen zu umgeben, die wir lieben,streicheln und gießen können (die sind auch nicht nützlich in diesem Sinne)…finden es aber inakzeptabel, wenn ein Mensch sich nicht an unsere selbst entwickelten Regeln hält, weil er hauptsächlich Stacheln produziert und nur gelegentlich blüht und zu oft bellt, kratzt und sich daneben benimmt.

    Wie hießen denn diese Wandering Saints, die in anderen Zeiten und Ländern durch die Landschaft zogen…man gab ihnen zu Essen und segnete sie, wenn sie weiterzogen, weil sie ein Leben führten, das wir nicht beneideten…
    Heute haben wir die Heimatlosen, die zum großen Teil genau diese Bedlam Fälle sind, die nun nicht mehr in Bedlam sich befinden, sondern sich selbst überlassen sind…
    ….und jetzt auch Sankt Corona in großen Mengen geopfert werden, weil sie eben „auf der Straße“ leben…

    (Bedlam lt. Wikipedia englisch „Tollhaus“,
    Bedlam, Spitzname des Bethlem Royal Hospital in London, EREPRO) Die Briten waren ja wohl die ersten, die einen wenn auch erschreckenden Zufluchtsort für Psychiatrie Patienten schufen. Der Ausdruck – there was bedlam (chaos) everywhere – kommt daher!)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.