Kritische Bemerkungen zu „Patientenberater“ und „Integrierte Versorgung“

Es geht hier um die Tendenz der KK (Krankenkasse, EREPRO) mit PatientInnen Kontakt aufzunehmen, um sie so intensiv zu ‘betreuen’ – durch sogenannte Patientenberater. Das heißt, diese rufen an und fragen nach, was die Versicherten brauchen, ob die laufenden Maßnahmen (auch Psychotherapie) zufriedenstellend laufen bzw. ausreichend sind.
Abgesehen von der (mangelnden) Qualifikation der KK- (oder externen) MitarbeiterInnen geht es hier (soweit eine Psychotherapie bereits läuft) um einen höchst problematischen Eingriff in die therapeutische Arbeitsbeziehung.
 
Schon vor einiger Zeit ist mir in diesem Zusammenhang die Seite der AWOLYSIS (www.awolysis.de), Gesellschaft für innovatives Gesundheitsmanagement aufgefallen, hier findet sich auch der SeGel-Vertrag (siehe unten).
 
Die MitarbeiterInnen kümmern sich um Versicherte mit besonderer Problemlage (psychische Erkrankungen). Bei dem Programm SeGel (Netzwerk psychische Gesundheit/Seelische Gesundheit leben) handelt es sich um einen speziellen Vertrag (mit den KK) zur integrierten Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen (nach § 140 SGB V). Die Betreuung/Vernetzung erfolgt über die regionalen Koordinationsstellen (Vincentro). Dazu heißt es:
 
“Das vincentro ist als Koordinationsstelle für die in das Versorgungsnetz eingeschriebenen Patienten/-innen täglich 24 Stunden erreichbar. Zudem erhält jede/r Patient/in eine/n Fallmanager/in, der/die dauerhaft als feste/r Ansprechpartner/in für die Versicherten zur Verfügung steht.”
 
Die FallmanagerInnen (ein schrecklicher Begriff, aber genau darum geht es: Management) sind MitarbeiterInnen des Projekts. Deshalb erfolgt eine Einwilligung zur Übermittlung personenbezogener Daten an das SeGel und eine Einwilligung in den Informationsaustausch zwischen SeGel und TherapeutInnen im Krankenhaus (die Daten werden nicht an die KK weitergegeben).
Wer MitarbeiterIn im SeGel ist, weiß ich nicht (auf der Webseite werden sozialpsychiatrische Fachkräfte:  Dipl.-SozialpädagogenInnen, FachkrankenpflegerInnen der Psychiatrie und Dipl.-PsychologenInnen gesucht). Zufälligerweise habe ich erfahren, daß auch Ex-In-BeraterInnen (Psychiatrieerfahrene mit einer ‘Ausbildung’ zur Beratung anderer Betroffener) dort tätig sind – ich werde eine solche Mitarbeiterin, die ich kenne, gelegentlich kontaktieren.
 
Ich halte das Projekt aus verschiedener Sicht für problematisch.
Nur soviel: Wir haben Sozialpsychiatrische Dienste (in Bayern, EREPRO), die bislang von den KK nur minimal (mit-)finanziert werden, aber genau das Aufgabenspektrum abbilden und das entsprechende Personal vorhalten.
Bei der Vernetzung werden ‘ÄrztInnen’ genannt, nicht aber (ärztliche/nicht-ärztliche) PsychotherapeutInnen.

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