Integration verschiedener Auffassungen durch Betrachtung der subjektive Seite?

1999 wurde erstmals eine Tagung zu dem Thema “Die subjektive Seite der Schizophrenie”  in Hamburg organisiert, an der auch Angehörige und Betroffene teilnehmen konnten.1 Bis heute findet jährlich eine Tagung zu dem Thema statt. In der ersten Einladung der Initiatoren von der Universität Hamburg-Eppendorf zu einer Pressekonferenz hieß es: “Schizophrenien markieren für die Betroffenen einschneidende Lebenskrisen und oft bleibende, grundlegende Veränderungen der individuellen Biographien. Ähnliches gilt für die Familien, die Partner und Freunde. Diese Erfahrungen, ebenso wie ihre Konsequenzen interferieren mit der Einstellung zur Behandlung und mit der individuellen, subjektiven Sicht auf das Geschehen. So ist trotz nachgewiesener positiver Effekte medikamentöser Therapie die Haltung der Familie gegenüber dem Hilfesystem häufig überwiegend skeptisch und trägt zum Abstand und zur Abwehr aktiver gemeinsamer Anstrengungen bei.” …

“Die individuelle Lebensqualität und ihre Beschränkungen sind die Eckpunkte der Bewertung für oder gegen eine Kooperation im Therapieprozeß.  Die Forschungen zur Bedeutung der subjektiven Seite und ihre entsprechende Berücksichtigung im Rahmen therapeutischer Konzepte werden von Klinikern und Wissenschaftlern aus den USA und Europa vorgestellt.”2

Die folgenden jährlichen Tagungen zur „Subjektiven Seite der Schizophrenie“- meistens in Hamburg, aber auch in Wien, Stralsund/Greifswald, Berlin und Zürich und unter Beteiligung von Angehörigen und Betroffenen –  hatten jeweils ein besonderes Thema.

2015 fand dieses Treffen zum 17ten Mal statt.

Es handelt sich dabei um ein ganz besonderes Phänomen. Denn unter dieser Überschrift des “Subjektiven” finden sich Vertreter der beiden bis heute eher verfeindeten Fraktionen der Psychiatrie zusammen. Na ja, “verfeindet” ist vielleicht etwas übertrieben. Man hat sich in den letzten Jahren etwas angenähert. Aber es bleiben grundlegende Differenzen.3
Hier sei diese Spaltung, die die Psychiatrie durchzieht, kurz skizziert unter Rückgriff auf einen schönen Artikel des Psychiaters Elgeti, in dem er  diese beiden Ausrichtungen als “Aufklärung” und “Romantik” charakterisiert und sie auf ihre kulturhistorischen Ursprünge zurück führt.4 Er weist darauf hin, dass die “Aufklärung (…) schnell ihr kritisches Potential (verliert), wenn sie die Kritik der Romantik an den Auswüchsen ihres Machbarkeitswahns ignoriert.” Die “Romantik” sieht er in Gefahr, sich in esoterischen, dunklen Spekulationen zu verlieren, reaktionäre Züge anzunehmen, und im schönen Schein des großen Ganzen keine Einzelheiten mehr zu untersuchen, und dass verschiedene Ansichten darüber nicht mehr ausgetauscht werden dürften.
“Am Ende beschimpfen selbsterklärte Aufgeklärte alles Romantische als schwärmerisch, weltfremd und rückwärtsgewandt, während vermeintliche Romantiker gegen eine flache und seichte Aufklärung polemisieren.”

Unter dem Motto “Die Subjektive Seite der Schizophrenie” treffen sich also beide Fraktionen seit so vielen Jahren jedes Jahr einmal. Ein Blick auf die Programme der Veranstaltungen hat uns sofort klar gemacht, dass wir als “Romantiker”, denen die Fragestellung der Subjektivität sehr vertraut ist, hier nicht unter uns sein würden. (s.u.)  Einige Hamburger Tagungen fanden mit „freundlicher“ Unterstützung der Pharmaindustrie statt. Die Firmen konnten sogar Satellitenprogramme durchführen.

Wir haben im Internet nach einer Berichterstattung über diese Treffen gesucht, um etwas mehr darüber und die eventuelle Entwicklung einer Verständigung zu erfahren. Leider war die Ausbeute für eine solche Fragestellung nicht ergiebig genug, und diese Thematik erfordert auch viel Arbeitsaufwand, den EREPRO zur Zeit nicht leisten kann.5

Das Interesse der Tagungsteilnehmer an der subjektiven Seite der Schizophrenie reicht jedenfalls von der Hoffnung, über die Beachtung der subjektiven Seite bei den Patienten mehr Compliance für die Medikamenteneinnahme zu erreichen bis hin zu einem großen Interesse an den Wahninhalten der Schizophrenie, um die Verständigung mit den Patienten zu verbessern.

Es wäre natürlich sehr reizvoll, wenn eine Annäherung der beiden Fraktionen der Psychiatrie in einer der folgenden Tagungen thematisiert und zur Diskussion gestellt werden könnte.

Wichtig ist uns, auf den Vortrag von Peter Lehmann bei der diesjährigen Tagung hinzuweisen und ihn zu empfehlen.6 Eine Referentin von der anderen Fraktion gestand dabei im Vorfeld, dass sie früher regelrecht Angst vor P.L. hatte, er jetzt aber Gesprächspartner geworden sei. Immerhin.

Zum Abschluss eine Preisfrage (leider ohne Preis!):
Die Vertreter der oben zitierten beiden Richtungen der Psychiatrie, die sich bei den Tagungen über die subjektive Seite der Schizophrenie seit vielen Jahren treffen, formulierten 2015 entsprechend unterschiedliche Einladungstexte:

  1. Einladung
    “Der Begriff der “personalisierten Medizin” fragt, wie sehr ist der Mensch vorhersagbar aus seinem Genom? Ist die Biologie der Schlüssel zur Verbesserung der Behandlung? Soweit, dass die Medizin personalisiert würde? Personalisiert, Persönlichkeit, das Persönliche hat natürlich auch die andere Seite, die aus der Vielfältigkeit des Lebens, eine Vielfältigkeit von Bedürfnissen entstehen lässt. Alles sind zentrale Aspekte für Entwicklung, Therapie und Recovery und die subjektive Seite.”

  2. Einladung
    “Die psychiatrische Versorgungslandschaft hat sich in den letzten Jahren stark           gewandelt. Immer wieder wird dabei die Aufmerksamkeit auf einen personenzentrierten Ansatz gelenkt. Dahinter verbirgt sich eine Reihe von Bedürfnissen, die es zu beachten gilt – und die für die Genesung von zentraler Bedeutung sind. Spätestens seit der UN-Behindertenrechtskonventionen ist das Thema »Personalisierte Medizin« hochaktuell.
          Im Fokus der Fachtagung stehen Bedürfnisorientierung, Gewaltfreiheit und Therapieziele,  die von den Betroffenen selbst festgesetzt werden. Aber auch Kritiker des Ansatzes äußern ihre Bedenken.”

Frage:
Welche Einladung stammt von den “Romantikern”, welche von den “Aufklärern”?

Antwort:
Die Einladung Nr. 1 haben die “Aufklärer”, die Mediziner der Hedwigskliniken Berlin verfasst, die zweite, die Einladung der “Romantiker”, findet sich in einem Text des Psychiatrieverlages.7
W.O. 

 

Anmerkungen
1 http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/47786/
2 Kallert, T.W.: Rehabilitationsvorstellungen gemeindepsychiatrisch betreuter schizophrener Patienten. Vortrag, Kongress „Die subjektive Seite der Schizophrenie – Subjekt und Psychose“, Hamburg, 11.03.1999. Abstractband S. 24
http://www.psychiatrische-versorgungsforschung-tu-dresden.de/cms/wp-content/uploads/2008/03/publikationen-kallert-bis-2007.pdf
3 Geplant ist, dass sich EREPRO zu einem späteren Zeitpunkt mit dieser Thematik befasst
4 http://www.psychiatrie-verlag.de/fileadmin/storage/dokumente/Zeitschriften/SI/SI_11-3_Inhalt_Editorial_Artikel.pdf
5 Wir stellen Ihnen unten die gefundenen Informationen dazu zur Verfügung
6 http://www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/recht/ppt/lehmann_recht-auf-psychose.pdf
7 http://www.alexianer-berlin-hedwigkliniken.de/fileadmin/user_upload/alexianer-berlin-hedwig-kliniken.de/SHK/Flyer/SuSe_Die_subjektive_Seite_der_Schizophrenie_Programm_und_Anmeldung_2015_.pdf

http://www.psychiatrie-verlag.de/startseite/news/date/2014/december/16/news-article/die-subjektive-seite-der-schizophrenie.html

 

 

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Fundstücke und -orte aus unserer kleinen Internet Recherche über die Tagungen „Die subjektive Seite der Schizophrenie“. 
(Bibliographische Hinweise kursiv gedruckt, Links abgerufen aus dem Internet April 2015)
Bitte an die Leser um Ergänzung und Korrektur der sehr lückenhaften Zusammenstellung

1999
10. -12. März Hamburg. Einladung zur Pressekonferenz:
ttp://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/47786/
Vortrag Kallert, T.W.: Rehabilitationsvorstellungen gemeindepsychiatrisch betreuter schizophrener Patienten. Vortrag, Kongress „Die subjektive Seite der Schizophrenie – Subjekt und Psychose“, Hamburg, 11.03.1999. IN: Rehabilitation Nr. 39, S. 268-275, 2000, Deutsche Gesellschaft für Rehabilitation

2000
Die subjektive Seite der Schizophrenie“, 2. Tagung, Hamburg. 1. – 3. März 2000
http://www.social-psychiatry.org/detext.html Vortrag, als Poster vorgestellt im Universitätskrankenhaus Eppendorf, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg, Korrespondenz-Adresse: Dr. med. N. Nowack, Zentrum für Soziale Psychiatrie Salzwedel, Hoyersburger Str. 60, D – 29410 Salzwedel, eMail: psych-ph-saw@t-online.de

2001
Die subjektive Seite der Schizophrenie 28.02. – 02.03.2001, Hamburg
Medikation-Selbstmedikation. Familiäre Bewältigungsstrategien und Familientherapie. Die Stärken der Versager – Therapie als Hilfe bei der Selbstheilung? Ressourcenorientierung in der Therapie. Krise und Kontext. Trauma. Trauerbewältigung und Entwicklung, Behandlungsphilosophie, Subjektbegriff und Menschenbild in Psychotherapie und Psychiatrie, Workshops. Satellitensymposia. Freie Beiträge.
http://www.my-medical-education.com/cms/mme/index.php?page=veranstaltung&field=&event=104a342b-bdca-3c49-c077-42cab4d851df
Gemeinhardt, B., Gottwalz, E.: Familientherapie mit Psychotikern. Workshop abgehalten zu der III.Tagung „Die Subjektive Seite der Schizophrenie“, Hamburg 2002.
Gemeinhardt, B., Gottwalz, E. (2001) Familientraditionen und Familiengeheimnisse und ihre Rolle bei der Konfliktregulation. Vortrag gehalten bei der III. Tagung : Die Subjektive Seite der Schizophrenie, Hamburg 2001.
http://dr-brigitte-gemeinhardt.de/klinische-themen-seminare-vortraege-workshops/
Volkmar Aderhold / Yrjö Alanen / Gernot Hess / Petra Hohn (Hg.) 2003, Psychotherapie der Psychosen – Integrative Behandlungsansätze aus Skandinavien.
“Dieses Buch beinhaltet auch Texte, mit denen auf den Tagungen die Subjektive Seite der Schizophrenie die skandinavischen Ansätze bekannt gemacht wurden.” 
http://www.antipsychiatrieverlag.de/versand/titel/aderhold.htm

2002
Die subjektive Seite der Schizophrenie. 20. – 22.02.2002 in Hamburg … Traumatisierung und Psychose/ Lebensgeschichte und Krankheitsverlauf als Rahmen von Hilfe und Selbsthilfe/ Tauma – Dissoziation – Psychose/ Umgang mit Traumatisierung/ Psychose und Gewalt/ etc.
Bericht im Ärzteblatt. “Neuseeländisches Trainingsprogramm für Klinikpersonal: Nach Mißbrauch fragen. “Das Thema Missbrauch soll zum festen Bestandteil der psychosozialen Anamneseerhebung bei psychisch Kranken werden. Ziel ist unter anderem, die Aufdeckungsrate bei Missbrauch zu erhöhen, um gezieltere Therapien anbieten zu können.” http://www.aerzteblatt.de/archiv/33654/Neuseelaendisches-Trainingsprogramm-fuer-Klinikpersonal-Nach-Missbrauch-fragen
Mundt, A. (2002) Kasuistik aus der Verhaltenstherapie-Tagesklinik. Darstellung einer Patientin mit Zwangsstörung und psychotischer Exacerbation nach einem Trauma. Poster auf der IV. Tagung – „Die subjektive Seite der Schizophrenie“ 20.-22. Februar 2002 
s. dazu: http://www.dr-a-mundt.de/site/uebermich/uebermich.php

2003
26. – 28.2.2003, Die subjektive Seite der Schizophrenie V. Tagung in Hamburg: Empowerment und Ressourcenorientierung/ Alternative oder Ergänzung zum/im psychiatrischen System. parchman@uke.uni-hamburg.de
Wielant Machleidt  (Herausgeber), Garlipp (Herausgeber), & 1mehr, Schizophrenie: Behandlungspraxis zwischen speziellen Methoden und integrativen Konzepten Taschenbuch – September 2003.
http://www.janssen-cilag.com/content/congresses/psychiatry24x7.com/21138402.xml

2004
25. – 27.02.2004 in Hamburg (6. Tagung). Ankündigung: „Subjektive Seite affektiver Psychosen/ Therapie mit viel Emotion/ Schizophrenie als affektive Störung? – Theoretische und klinische Konzepte zum Zusammenhang von Denken und Fühlen/ Symptom, Syndrom, Emotion.“
http://www.my-medical-education.com/cms/mme/index.php?page=veranstaltung&field=&event=3ce9ee74-76c2-8382-a8d3-bf34ca8a84e0
Ein Vortragstext: Michael Dümpelmann, Tiefenbrunn, Kontingenzerfahrungen und Affektentwicklung. Entwicklungspsychologische Ansätze in der Psychotherapie von Psychosen.
https://wwwalt.hs-magdeburg.de/fachbereiche/f-sgw/master/Psychiatrie/duempelmann_2004.pdf
7.4.2004:  “Mit dem atypischen Antipsychotikum Ziprasidon behandelte Patienten profitieren von Verträglichkeitsvorteilen und aufklarender Wirkung, konstatierten Experten auf einem Symposium anlässlich der VI. Tagung ‚Die subjektive Seite der Schizophrenie‘. Das Medikament sei aus internistischer Sicht sicher, fasste Professor Dr. med. Eberhard Windler die Datenlage zusammen. Dank der aufklärenden Wirkung seien die Patienten wieder kommunikationsfähig und bereit für ergänzende Therapieverfahren, wie Dr. med. Thomas Messer anhand einer Kasuistik veranschaulichte.” http://www.journalmed.de/newsview.php?id=4033

2005
VII. Tagung – Die subjektive Seite der Schizophrenie: Krankheitskonzept, das Bild in den Köpfen – Brücke oder Mauer? 23. – 25.02.2005 in Hamburg. „Subjektive Krankheitskonzepte und ihr Einfluss auf die Bewältigung/ Krankheitskonzept und therapeutisches Vorgehen – Behandlungsphilosophien als Grundlage klinischer Konzepte/ Der Beitrag zur Psychoanalyse zum Verständnis der Psychosen/ Der Beitrag der Biologie zum Verständnis der Psychosen/ Patientenorientierte Integration – integrative Schizophrenietherapie, Floskel oder Modell?
Schizophrenie: wissenschaftlich-rationale und therapeutische Praxis. Aderhold stellt vor und setzt auf das in Finnland erfolgreich erprobte ’need adapted model‘. Hilfe wenn nötig.“
Ausführlicher Bericht aus Anlass der Tagung 2005 von Peter Weinmann: Krankheitskonzept, das Bild in den Köpfen – Brücke oder Mauer?“ Atypische Depottherapie als Baustein einer modernen Langzeittherapie der “Schizophrenie” – die Sicht der Betroffenen. http://mut-zum-anderssein.de/PDF/AtypNeurolHom05.pdf
Kurzbericht von Michael Schuldt. 2005: Krankenhäuser auflösen. http://www.bpe-online.de/verband/rundbrief/2005/1.pdf

2006
Die subjektive Seite der Schizophrenie: Stimmen hören oder Symptome ersten Ranges
Phänomen – Bewertung – Behandlung. Hamburg, 8.-10.3.2006
Das Programm:
http://www.uke.de/kliniken/psychiatrie/downloads/klinik-psychiatrie-psychotherapie/Programm_Schizo_2006.pdfProgramm_Schizo_2006.pdf
“Zur VIII. Tagung „Die subjektive Seite der Schizophrenie“ fuhr ich Anfang März 2006 in die Freie und Hansestadt Hamburg. Mittlerweile findet dort jährlich ein Austausch von Professionellen, Psychiatrie-Erfahrenen und Angehörigen zu Themen ‘rund um’ psychische Störungen statt. In diesem Jahr war das ‘Phänomen’ Stimmenhören Schwerpunkt der Tagung. Fachleute aus Deutschland, Europa und Übersee diskutierten gemeinsam bzw. zu Fragen der Entstehung und Therapie von Stimmenhören. (…) Es zeichnet sich seit einigen Jahren ein Paradigmenwechsel ab – d.h., die akademische Psychiatrie nimmt stärker als bisher geschehen subjektive Erklärungsmodelle und individuelle Coping-Strategien der Betroffenen wahr und integriert sie in ein ganzheitliches Behandlungskonzept.” http://www.muentzer-wohnheim.de/index.php?n=Aktuelles&b=berichte/2006/Tagung-Hamburg

2007
14. bis 16. Februar 2007 in Wien. Die subjektive Seite der Schizophrenie: Das Ende der Unheilbarkeit?! – Hoffnung – Macht – Sinn. „Der Verlauf der Schizophrenien beschäftigt die, die es angeht, schon über ein Jahrhundert. Der Mythos der Unheilbarkeit und zwangsläufigen Chronifizierung haftet den Schizophrenien noch heute an. Ist so eine Sichtweise berechtigt oder auch das Ergebnis einseitiger und verengter Perspektiven der Psychiatrie? Um die Behandlung und ihren Einfluss auf den Verlauf gibt es ebenso anhaltend viele Kontroversen.
Das Ludwig Boltzmann Institut für Sozialpsychiatrie veranstaltet in Kooperation mit den Psychiatrischen Kliniken der Universitäten Hamburg, Zürich und Greifswald, sowie der Abteilung für Sozialpsychiatrie der Universitätsklinik für Psychiatrie Wien die inzwischen neunte Tagung. Dieser Kongress bietet spannende Möglichkeiten dazu, eherne Gewissheiten zu erschüttern und das Koordinatensystem des Verstehens und der Modellbildung neu zu ordnen und zu erweitern. Ludwig-Boltzmann-Institut für Sozialpsychiatrie.“
http://www.gsund.net/cms/beitrag/10081716/2505936/_1
Über diese Tagung ist ein Buch erschienen (Hoffnung macht Sinn: schizophrene Psychosen in neuem Licht. Hrsg. M. Amering, M. Krausz und H. Katschnig, 2008), das in der Rezension bei Amazon von xianzai87 folgendermaßen beschrieben wird:
„Dieses Buch besteht aus verschiedenen Beiträgen von Betroffenen und Nicht-Betroffenen der 9. Tagung zur subjektiven Seite der Schizophrenie und vor allem zitieren alle Autoren ihre Quellen. Es geht unter anderem um Neuoleptika, ihre Risiken, und wie sie richtig eingesetzt werden sollten, es geht um Sinn oder Nicht-Sinn von Psychosen, Schizophrenie und ihren Verlauf……für mich als Psychosebetroffene sehr hilfreich und auch informativ, obwohl ich schon sehr viel über das Thema wusste.“
s. auch http://www.sozialpsychiatrie-mv.de/PDF/Aderhold_Neuroleptika_in_Amering.pdf

2008
27. Februar bis 29. Februar 2008 Universität Hamburg. Tagungstitel “Die subjektive Seite der Schizophrenie”: Evidenzbasierte Therapien, Psychosetherapien in Wirkungen, Nebenwirkungen und Verfügbarkeit?
Programmflyer: http://www.uke.de/kliniken/psychiatrie/downloads/klinik-psychiatrie-psychotherapie/Download.Flyer_Schizo_2008.pdf
„Kontroversen in der Schizophrenietherapie, Frühbehandlung wann und wie? Evidenz in der Psychopharmakotherapie, Wann und wem schadet Therapie? Wieviel Klinik ist nötig?
Therapeutische Prinzipien.“ http://www.my-medical-education.com/en/mme/index.php?page=veranstaltung&field=&event=5b8501a3-d0e1-9afa-7190-1a8aeae59eac
Schriftliche Fassung des Referates „Machen Städte psychisch krank? Von der Schwierigkeit der Prävention bei seelischen Krankheiten“. von Prof. Dr. Leonhard Hajen, PDF, 14 S., 2008 auf der X. Tagung „Die Subjektive Seite der Schizophrenie“ am 28. Februar 2008 in der Universität Hamburg, . http://www.hag-gesundheit.de/uploads/docs/53.pdf

Bei der Tagung (2008??) „Die subjektive Seite der Schizophrenie“ des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE): Hier wurde die Wander-Ausstellung „Bilder einer Stadt – Salzwedel menschlich gesehen“ gezeigt: Mit Darstellung wissenschaftlicher Therapie-Ergebnisse und Hinweis auf die zusätzliche Anti-Stigma-Intention der Ausstellung (etwa wenn in Schule oder Rathaus ausgestellt), die aus dem Fotoprojekt hervorging. http://www.grips-reha.de/fachpublikationen/
(Zu dem interessanten Projekt: http://www.impuls-psychiatrie.net/82.0.html?&tx_feuserlisting_pi1%5BshowUid%5D=145) 

2009
Die subjektive Seite der Schizophrenie vom 25. bis 27. Februar 2009: Beziehungsgestaltung und Psychose, Hamburg http://www.uke.de/kliniken/psychiatrie/index_51376.php
Das Programm dieser Tagung:
Die gelungene therapeutische Beziehung –  Welche Faktoren verhindern, welche wirken…
Kann man Beziehung messen?  Die wissenschaftliche Untersuchung von Beziehungen
Therapeutische Beziehung, Behandlung und der Rest des Lebens. Wie spezifisch sind Patientenbewertungen? Shared Decision Making.  Wie wirkt es sich auf therapeutische Beziehungen aus? Therapeutische Beziehungen im Wandel der Zeit.
Satellitensymposium  Unterstützt von Firma JANSSEN-CILAG GmbH
Beziehungsgestaltung in akuten Krisen –  Zwischen Mischinjektion und Soteria
Wenn Sexualität die Beziehung stört.
Scham, Schuld und Verstehen. Beziehung aus der Sicht der Familie.
Behandlungsvereinbarungen als Basis der Beziehungsarbeit (Dr. Raoul Borbé)
Beziehungen mit den Schwierigsten.  Beziehungsfallen und ihre zerstörerischen Folgen
Kinder von Eltern mit Psychosen
Stellenwert der Beziehung in der kognitiven Verhaltenstherapie
Was heißt hier therapeutisch?  Was wollen Betroffene von Professionellen?
Die Bedeutung des ersten Kontaktes mit der Psychiatrie
Medikamente als Beziehungsmediator.  Beziehung als Erfolgsfaktor?
Therapeutische Beziehungen zu Widerspenstigen
Der Einfluss der Patienten auf die therapeutische Beziehung im institutionellen Umfeld
Veränderung der therapeutischen Beziehung durch Home-Treatment
Partnerschaft und Psychose
Arbeiten in Gruppen – korrektive Beziehungserfahrungen
Beziehungsgestaltung und Recovery
Traumasensible Therapie – Setting als Beziehungserfahrung
Welche Art von Beziehung braucht ein Mensch in der Krise? Folgerungen aus der Bindungstheorie
Beziehungen in der Institution:  Zwischen Geborgenheit und Zwang
Pflegsam, pfleglich, Pflege – wie nah wie fern
Das Arzt-Patientenverhältnis in der ambulanten Behandlung – Ergebnisse einer Umfrage zu beiden Perspektiven
Der subjektive Sinn von Psychosen und die Bedeutung für Beziehungen.(Hamburger SuSi-Projekt)
Workshops: Paar/Familientherapie,  Ex-In, Training,  Paarbez. u. Sexualität,  Vertrauen in die Ressourcen
http://www.uke.de/kliniken/psychiatrie/downloads/klinik-psychiatrie-psychotherapie/Download.Flyer_Schizo_2009.pdf

2010
Die XII. Tagung „Die subjektive Seite der Psychiatrie“ fand vom 24. – 26. Februar 2010 in Wien statt: Schizophrenie in Bewegung. (1. Bewegung durch die Lebensstadien, 2. Bewegung in der Psychiatrie, 3. Bewegung innerhalb und zwischen den Kulturen, http://lubis.lbg.ac.at/webfm_send/55).
Das Programm im Einzelnen: ttp://www.uke.de/kliniken/psychiatrie/downloads/klinik-psychiatrie-psychotherapie/Flyer_Schizophrenie_in_Bewegung.pdf
Die Referate dieser Tagung stehen im Internet zur Verfügung:
– in Zusammenfassung (http://lubis.lbg.ac.at/webfm_send/58)
– und als PowerPoint Präsentation
(http://lubis.lbg.ac.at/de/termine/subjektive-seite-schizophrenie-schizophrenie-bewegung)
Audiodatei des Vortrags eines Stimmenhörers:
http://www.mikus.at/own_domains/www.stimmenhoeren.info/antje.mp3

2011
Hamburg  23. bis zum 25. Februar. Aus der Einladung zur Pressekonferenz:
“’Die subjektive Seite der Schizophrenie‘ – Tagung zu integrierter Versorgung als Zukunftsmodell. Gesprächspartner: die Veranstalter Prof. Dr. Dieter Naber aus Hamburg (UKE), Prof. Dr. Michael Krausz aus Vancouver, Prof. Dr. Michaela Amering aus Wien, Professor Martin Lambert aus Hamburg, Professor Thomas Bock aus Hamburg (UKE) und Priv.-Doz. Dr. Anne Karow aus Hamburg (UKE).“
„Wie können knapper werdende Ressourcen darüber hinaus in einem möglichst guten Kosten-Nutzen-Verhältnis eingesetzt werden? Zu dieser Frage existieren wichtige erste Daten aus verschiedenen Modellen der Integrierten Versorgung. Auf der Grundlage dieser Daten kann eine sinnvolle Diskussion über effektive und wirtschaftliche Versorgungsstrukturen stattfinden. Wie werden die strukturellen Entwicklungen aus der Sicht von Betroffenen und Behandlern, aus der Sicht von niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten sowie aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Sicht von Krankenkassen und der Gesundheitspolitik beurteilt?
Darüber hinaus sind Beziehungsaspekte und individuelle Auswirkungen moderner Versorgungsstrukturen zu berücksichtigen. Welche Bedürfnisse liegen bei allen Beteiligten vor? Was sind die Gemeinsamkeiten? Wo liegen die Unterschiede? Wie muss/kann sich die therapeutische Beziehung verändern? Wie flexibel ist z.B. Psychopharmakotherapie und wo liegen die Grenzen einer individuellen Anpassung der Behandlung? Wichtige Diskussionen beziehen sich dabei auf die Frage, inwieweit eine integrierte Versorgung den Bedürfnissen nach individueller Therapie entspricht und sich im Alltag für Betroffene, ihre Angehörige und Professionelle bewährt.
Konzepte wie die der Zu-Hause-Behandlung sind bereits seit vielen Jahren State of the Art und werden dennoch weiterhin ungenügend umgesetzt. Wie sehen die konkreten Erfahrungen von Betroffenen, Angehörigen und Behandlern mit einer zu Hause stattfindenden Behandlung aus? Fühlen sich Angehörige anders zuständig und anders betroffen oder belastet, wenn die Behandlung immer weniger in der Klinik stattfindet? Wie muss sich die Psychiatrie auf dem Weg nach draußen verändern?
Zu diesen und anderen aktuellen Themen werden wieder kompetente Referenten berichten, Betroffene, Angehörige und Professionelle. Es wird viel Zeit geben für Diskussion und Austausch, zu speziellen Themen finden Workshops statt.
Zu dieser Tagung erwarten wir 350 und mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Klinik und Forschung.”
http://www.archiv.medizin-aspekte.de/-Die-subjektive-Seite-der-Schizophrenie-Tagung-zu-integrierter-Versorgung-alsZukunftsmodell_14056.html

2012
Vom 22. bis 24. Februar 2012 fand in Stralsund die XIV. Tagung „Die subjektive Seite der Schizophrenie“ statt, ausgerichtet von der Universitätsmedizin Greifswald.
Zitat aus dem Programm: „Auf der XIV. Tagung Die subjektive Seite der Schizophrenie möchten wir Orientierungspunkte in dieser Bewegung setzen und eine Diskussion um den „richtigen Kurs“ anregen. Dafür haben wir drei inhaltliche Schwerpunkte ausgewählt: In der Fortsetzung einer Debatte unserer letzten Tagungen fragen wir, wohin die Reise in der Versorgung gehen kann – und betrachten innovative Therapiemodelle in verschiedenen europäischen Ländern. Eine Rückschau auf unsere unterschiedlichen Traditionslinien in Deutschland bietet der Vergleich der jüngsten Psychiatriegeschichte in den beiden deutschen Staaten zur Zeit der Teilung.“…
http://www.uni-greifswald.de/informieren/kalender.html?no_cache=1&tx_cal_controller%5Bview%5D=event&tx_cal_controller%5Btype%5D=tx_cal_phpicalendar&tx_cal_controller%5Buid%5D=6779&tx_cal_controller%5Blastview%5D=view-list%7Cpage_id-141&tx_cal_controller%5Byear%5D=2012&tx_cal_controller%5Bmonth%5D=02&tx_cal_controller%5Bday%5D=22&cHash=e9b7ac5fde

Auf einen ausführlicher Bericht von Ute Maria Krämer über diese Tagung wurden wir 2016 vom „Trialog-Forum seelische Gesundheit – Das Psychose-Seminar im Landkreis Peine“ dankenswerterweise hingewiesen: http://trialog-forum-peine.de/?page_id=1405.

2013
Die Tagung „Die subjektive Seite der Psychiatrie“ fand vom 27. Februar bis 01. März 2013 in Hamburg statt mit dem Titel: Zeit für Wandel. Das Programm im EInzelnen:
http://www.uke.de/kliniken/psychiatrie/downloads/klinik-psychiatrie-psychotherapie/Flyer_Subjektive_Seite_der_Schizophrenie_2013.pdf
Vortrag von Asmus Finzen: „Die Psychiatrie eine Zumutung für die Familie“, http://www.lvbwapk.de/Finzen.pdf

2014
Die Tagung „Die subjektive Seite der Schizophrenie – Schaden begrenzen, Risiken mindern, Chancen mehren“ fand vom 19. – 21. Februar 2014 in Wien statt.
„Die Abwägung von Risiken und Chancen des Tuns und Nichttuns gegenüber Psychosen ist komplizierter als viele Richtlinien glauben machen. Die Tagung greift diesbezüglich kontroverse Fragen auf. Wer hat Verantwortung wofür? Wie viel Unsicherheit ist auszuhalten? Keine Chance ohne Risiko?“
Programm: http://www.hpe.at/fileadmin/media_data/Inhalt-Dokumente/Dokumente-extern/2013/Die_subjektive_Seite_Schizophrenie_2014.pdf
http://www.psychotherapie-wissenschaft.info/index.php/psy-wis/article/viewFile/1015/1013:
Evelin Gottwalz-Itten war jahrelang als psychologische Forscherin im Bereich der Familientherapie im Universitätskrankenhaus Eppendorf tätig und ist, zusammen mit ihrem damaligen Oberarzt, V. Aderhold, eine Mitbegründerin der Tagungen Die subjektive Seite der Schizophrenie. Heuer fand diese zum 16. Mal statt, unter dem Motto „Schaden begrenzen, Risiken mindern, Chancen mehren“.  …
http://www.psychotherapie-wissenschaft.info/index.php/psy-wis/article/viewFile/1015/1013 

2015
Die Tagung fand statt vom 18.–20. Februar 2015 in Berlin mit dem diesjährigen Titel “Persönlich und bedürfnisorientiert, Prävention und Behandlung nach Wunsch und Evidenz?“. Ein Tagungsbericht:
http://www.ddpp.eu/news-meldung/bericht-von-der-tagung-die-subjektiven-seite-der-schizophrenie.html
Die PowerPoint Darstellung des Vortrags von Peter Lehmann mit dem Titel “Das Recht auf Psychose” auf dieser Tagung:
http://www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/recht/ppt/lehmann_recht-auf-psychose.pdf

6 Gedanken zu „Integration verschiedener Auffassungen durch Betrachtung der subjektive Seite?

  1. Nach Lektüre dieses interessanten Artikels fanden wir Hinweise auf weitere neue Tagungen zum Theema „Die Subjektive Seite der Schizophrenie“

    Ankündigung 2016
    http://trialog-forum-peine.de/?p=2829

    Ankündigung 2017
    https://www.uke.de/dateien/…und…/programm-subjektive-seite-2017.pdf

    15.-17. Februar 2017
    Die Subjektive Seite
    der Schizophrenie
    XIX. Tagung
    Wo beginnt die Schizophrenie
    und wo hört sie auf? Grenzen,
    Übergänge und neue Wege im
    Umgang mit Psychose
    15.-17. Februar 2017
    im Theater der Hansestadt Stralsund

  2. Wenn die Praxis der Psychiatrie auch vieles zu wünschen übrig lässt, und es sicher ohne Zwang auch geht, wofür wir uns auch einsetzen, darf man nicht vergessen, dass Psychiater aus ihrer Sicht ihren Job gut und engagiert tun.

    Schlimm ist, dass weder Psychiater noch Psychiatrieerfahrene sich in die Situation des jeweils anderen versetzen können und meistens in einer katastrophalen Weise aneinander vorbei reden (was schon viel wäre),- besser: aneinander vorbei leben.
    Das muss aufhören. Gespräch, Austausch, Kennenlernen ist dringend nötig, damit der Einsatz vieler Psychiater nicht an der Sache vorbei geht.
    Warum nicht statt alternativer Einrichtungen – alternative Umgangsformen?
    Dafür will EREPRO sich ja einsetzen.

    Ehemalige Psychiatriepatienten müssen den Anfang machen, da sie unter den Verhältnissen leiden. Ein Psychiater in seiner Berufsrolle hat viel weniger Gelegenheit diesen Missstand der gewaltigen Kommunikationsstörung überhaupt zu bemerken.

    Also: nicht auf Psychiater „schießen“, lass uns mit ihnen reden.

  3. Zum Thema „Zweispurigkeit“ der Psychiatrie erinnere ich an eine Posse vor gut einem Jahr, die für viel Heiterkeit sorgte, andererseits natürlich den traurigen Zustand der Psychiatrie deutlich machte.
    Der Ingolstädter Chef-Psychiater Prof. Df. Pöllmächer äußerte sich bei einem SZ-Gesundheitsforum so abfällig über Psychologische Psychotherapeuten, dass der Präsident der Psychotherapeutenkammer Bayerns Dr. Nikolaus Melcop sich gemüßigt fühlte – „aufgrund unwahrer Behauptungen und Aussagen, die unseren Berufsstand entwerten“ – einen Leserbrief an die SZ zu schreiben, die über die Veranstaltung am 27.3.2014 berichtet hattte.

    Herr Pöllmächer meinte seinerzeit „Zehntausende medizinisch nicht ausgebildete Psychotherapeuten behandeln Patienten ohne vorherige Abklärung durch einen Arzt. Die Beschwerden der Kranken werden „ins dunkle Reich von Irresein, Wahnsinn und Verrücktheit verbannt“. Ohne Anerkennung als Krankheit. In der Folge sieht er eine „gefährliche Zweispurigkeit“ der Behandlung.
    Dabei ist er ja nicht ganz weit weg von dem von Ihnen zitierten Psychiater Elgeti, der von der „romantischen“ Ausrichtung in der Psychiatrie spricht.
    Der Kammerpräsident – defensiv – klärt auf, dass Psychologische und Kinder-u- Jugendpsychotherapeuten nach dem akademischen Studium zusätzlich drei- bis fünfjährige Ausbildungen absolvieren.

    „Gefährlich“ ist es tatsächlich, dass bei soviel Unverständnis und Ablehnung durch die Halbgötter in Weiß die Zusammenarbeit von Ärzten und Psychologischen Psychotherapeuten sehr erschwert sein dürfte. Herr Melcop regte weitere ähnliche Gesprächsrunden an – unter Beteiligung von Psychologischen Psychotherapeutinnen. Haben die stattgefunden? In dem SZ Forum jedenfalls seither nicht. Welche Welten dabei zusammengeführt werden müssten, wird uns „Romantikern“ (die Bezeichnung genauso wie „Aufklärer“ nicht gerade glücklich gewählt) deutlich bei der Lektüre des Magazins der DGPPN „Psyche im Focus“. http://www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/ePaper/PIF_01_2015_web.pdf

    Die Hybris der „Aufklärer“ (a la Elgeti) – in der Regel Mediziner – verwehrt ihnen einen Begriff davon, wie unerlässlich der psychologische Blick mit entsprechend fachlich geschultem Verständnis für eine sinnvolle Durchführung der psychiatrischen Arbeit ist. Zum Nachteil der Patienten.

  4. Neulich ist mir eine weitere Zweiteilung der Psychiatrie begegnet. Auf einem der Denk-Zettel der Soltauer Impulse (Nr.3) ist von „Zwei Welten“ die Rede.
    Ich weiß nicht richtig, ob diese Einteilung der von Elgeti entsprechend zuzuordnen ist:
    Die „Qualitätsziele der Wohlfahrtsverbände zur Erreichung ihrer spezifischen Dienstleistungsqualität“ (1) werden „Stimmen von Betroffenen“ (2)gegenüber gestellt.

    1. „Wirkungsorientierung stellt beabsichtigte und erzielte Effekte der Sozialen Arbeit in den Vordergrund Sie zwingt dazu, klare Ziele zu definieren und Erfolgs-/Ergebniskriterien zu beschreiben.“
    Ich glaube nicht, dass diese Haltung nur bei den Wohlfahrtsverbänden, die sich oft dem Mainstream unkritisch andienen, zu finden ist. Dieses „eindimensionale Denken … des Neoliberalismus“ wie es in dem Flugblatt als Zitat von Erich Wulff heißt, ist doch allgemein in der sozialen Arbeit sehr verbreitet.
    Erfahrungsgemäß haben wir anders denkenden Mitarbeiter demgegenüber einen schlechten Stand.

    2. Als „Stimmen der Betroffenen“ zitiert der Denk-Zettel: „Das Wichtigste ist, dass die Mitarbeiter neu und flexibel auf jeden Einzelnen reagieren können. Und nicht versuchen, unbedingt irgendwelche Maßstäbe anzusetzen oder irgendwelche Lehrbuchmeinungen…“
    Die Flexibilität von Mitarbeitern geht auf jeden Fall verloren bei dieser schrecklichen „Ziel- und Wirkungsorientierung“.Und das richtige Verhalten von Mitarbeitern wird mindestens mit einem diffusen Gefühl von Versagen verbunden.
    Betroffene weiter:
    „Das Wichtigste ist de Menschlichkeit und das Zuhören, dass nicht einfach gesagt wird ‚der ist jetzt krank, was der sagt, ist egal, wir bestimmen jetzt, was für ihn gut ist.‘ …“
    Ich glaube, dieses Besserwissen kommt ohnehin viel zu oft vor, auch wenn man nicht besonders effektivitätsgeil ist als Therapeut. Einfach richtig zuhören ist sehr schwer. Wer will nicht aktiv und kreativ sein? Dabei bin ich überzeugt, dass Zuhören das Allerwichtigste bei unserer Tätigkeit ist.
    Wenn diese Leistung dann auch noch unter „minderqualifiziert“ läuft, wird es nicht leichter sie zu erbringen.

    EREPRO: Hier ist der Denk-Zettel Nr. 3
    http://www.psychiatrie.de/fileadmin/redakteure/dgsp/Bilderdateien_DGSP/Soltauer_Denkzettel_Nr._3_Seite_1.jpg
    http://www.psychiatrie.de/fileadmin/redakteure/dgsp/Bilderdateien_DGSP/Soltauer_Denkzettel_Nr._3_Seite_2.jpg

  5. Ihr Artikel zeigt eindrücklich wie viel Aufwand getrieben wurde unter dem Motto „Die subjektive Seite der Schizophrenie“.
    Ich denke, Sie stellen die Frage nach der integrativen Wirkung dieser vielen Veranstaltungen rein rhetorisch! Wahrscheinlich ist es nur wieder eine der vielen Tagungen, die Mitarbeitern in der Psychiatrie Gelegenheit geben sich zu profilieren.

    Interessant die Einteilung von Elgeti in die „romantische“ und die aufklärerische“ Richtung in der Psychiatrie.
    Diese Zweiteilung zeigt sich auch in der Wirksamkeitsforschung der Neuroleptika.
    Dazu möchte ich auf eine Buchbesprechung von Dipl.-Psych. Jürgen Karres in dem Psychotherapeuten Journal 1/2015 S. 47 hinweisen. Er bespricht das Buch Balz, Viola (2010) Zwischen Wirkung und Erfahrung – eine Geschichte der Psychopharmaka. Neuroleptika in der Bundesrepublik Deutschland 1950 – 1980..

    Zentrale Frage dieses Buches ist, wie man die therapeutische Wirksamkeit der Neuroleptika feststellen kann. Zwei Wege werden besprochen:
    1. Wirksamkeit als „Zeugenschaft“
    2. „im Experiment“ nachgewiesene Wirksamkeit.
    Obwohl letzterer Weg die „moderne wissenschaftliche Psychiatrie begründen sollte“ bedauert der Rezensent, dass seit etwa 1965 „nicht mehr der zuvor so bedeutsame ‚klinische Eindruck‘ zählte, sondern das Ergebnis eines an die Naturwissenschaften angelehnten Experiments. Subjektivität – egal, ob vom als unzuverlässig geltenden Patienten kommend oder vom beobachtenden Arzt – sollte dabei als Störvariable systematisch kontrolliert bzw. eliminiert werden.“
    Somit steht der Patient „einem Wirksamkeitsbegriff gegenüber(…), der seine ‚gelebten Psychopharmakaerfahrungen‘ nicht (mehr) abbildet“.

    Das kommentiert Karres folgendermaßen:
    „Damit aber geht ausgerechnet der seelisch Kranke der medizinischen Wissenschaft verloren!
    Weil er, der doch das Zentrum des Rapports darstellen sollte in seinen Wahrnehmungen und Erfahrungen systematisch nicht mehr ernst genommen wird.(…)
    „Aber zweifelsohne sollte eine Psychiatrie (…)das Subjekt, seine unersetzbare Zeugenschaft und die ganzheitliche Sicht auf den Patienten zurückgewinnen“

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