„REDUCE“ – Reduzierung von Neuroleptika?

Liebe KollegInnen,
sehr erfreulich, daß nun eine Studie in Auftrag gegeben wurde, die sich mit den Möglichkeiten der Reduzierung von Neuroleptika bei Menschen mit schizophrener Erkrankung beschäftigt und so die jahrzehntelang ausgetretenen Pfade der pharmakologischen Forschung verlässt. 
Die Studie wird unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Leucht von  Maximilian Huhn (Assistenzarzt, R.d.I.) durchgeführt.
Link zur Seite der TUM/MRI: Forschung – Evidenzbasierte Medizin: (http://drupal.psykl.mri.tum.de/evidenzbasierte-psychiatrie). Siehe den Flyer in der Anlage.
 
Mit herzlichen Grüßen
Jürgen Thorwart
 
 
 
Sent: Monday, April 20, 2015 12:49 PM
Subject: Information REDUCE-Studie
 

Liebe Vereinsmitglieder der MüPE,
wir möchten Euch heute auf eine Forschungsarbeit aufmerksam machen, die all jene interessieren wird, die ernsthaft mit dem Gedanken „spielen“, Neuroleptika zu reduzieren oder abzusetzen. Wir haben das Thema in der Vergangenheit ja mehrfach im MüPE-Forum diskutiert.

Das Klinikum Rechts der Isar bewegt sich nun mit ihrer Studie REDUCE in diese Richtung. Nach unserem Kenntnisstand ist es das erste Mal, dass die Schulpsychiatrie überhaupt in Erwägung zieht, dass Reduzieren möglich ist. Bisher hatte man immer Angst, dass es zwangsläufig schief gehen muss. Wer also Interesse an der Studie hat, sollte erstmal den Flyer im Anhang sorgfältig lesen. Weiter unten stehen auch noch wichtige Informationen. Man kann auch unkompliziert im Klinikum bei Herr Huhn anrufen und sich weiter informieren, darüber z.B., ob man die Voraussetzungen erfüllt oder wie es mit den Risiken steht; ob man evtl. später an einem Reduktionsprogramm teilnehmen kann, auch wenn man zur Kontrollgruppe ausgelost wurde etc. Die Verantwortlichen sind Dr. Maximilian Huhn und Prof. Leucht. 

Viele Grüße
Gottfried Wörishofer 

PS.: Prima wäre natürlich, wenn uns die, die sich zur Teilnahme entschlossen haben, Rückmeldungen geben, wie das Ganz abläuft und ob Ihr mit allem zufrieden seid.

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Münchner Psychiatrie-Erfahrene (MüPE) e. V.
Thalkirchner Str. 10, 80337 München
Tel.: 089/260 230 25, Fax: 089/260 230 84
Offene Tür: jeden Dienstag 16 – 18 Uhr
E-mail: muepe-selbsthilfe@t-online.de
Webseite: http://www.muepe.org

 

Neue Studie und neue Studienergebnisse zur Reduktion der Medikation bei Menschen mit stabiler Schizophrenie.
Aktuelle wissenschaftliche Befunde legen nahe, dass bei schon länger stabilen Patienten mit einer schizophrenen Erkrankung eine Medikamentenreduktion möglich sein kann. In einer Studie aus den Niederlanden (Wunderink et al, JAMA Psychiatry 2013, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23824214) wurden stabile Patienten mit einer Schizophrenie in zwei Gruppen aufgeteilt. In der einen Gruppe wurde die Medikation vorsichtig reduziert, in der anderen Gruppe hingegen unverändert fortgeführt. Dabei zeigte sich in der Reduktionsgruppe zunächst eine höhere Rückfallrate. In der Langzeituntersuchung nach sieben Jahren war die Anzahl der Rückfälle jedoch in beiden Gruppen annähernd gleich. Interessanterweise fanden die Forscher, dass nach den sieben Jahren die Patienten der Reduktionsgruppe eine bessere soziale Leistungsfähigkeit hatten.

Im Rahmen einer aktuellen Studie am Klinikum rechts der Isar wollen Forscher nun herausfinden, ob sich diese Ergebnisse wiederholen lassen. Hierbei soll vor allem die Rückfallrate und die soziale Leistungsfähigkeit untersucht werden. Während der Studie („REDUCE“) besteht, nach sorgfältiger Auswahl der Studienteilnehmer in Vorgesprächen, die Möglichkeit unter engmaschiger ärztlicher Aufsicht langsam die Medikation zu reduzieren.

Für weitere Informationen und falls Sie selbst (oder ein Angehöriger) an einer Schizophrenie oder schizoaffektiven Störung leiden, seit mindestens drei Jahren nicht mehr stationär behandelt worden sind und nun ihre Medikation reduzieren möchten, können Sie sich gerne per Email (maximilian.huhn@lrz.tum.de) oder telefonisch 089-4140-6466 an Maximilian Huhn oder Prof. Leucht (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Technischen Universität München – Klinikum rechts der Isar) wenden.
Maximilian Huhn, Assistenzarzt, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU-München Klinikum rechts der Isar Ismaningerstr. 22, 81675 München, Germany, Tel.: +49-89-4140-6466, e-mail: maximilian.huhn@lrz.tum.de

2 Gedanken zu „„REDUCE“ – Reduzierung von Neuroleptika?

  1. Liebe Leute von Erepro,

    ich würde mir mehr Sorgfalt wünschen. Der Leiter der genannten Reduce-Studie steht unter massiven Interessenskonflikten. Diese werden in Ihrem Beitrag nicht genannt. Ein kurzer Blick ins Internet würde genügen, dort steht beispielsweise:

    S. Leucht erklärt Lecture honoraria: EIiLilly, Lundbeck, Pfizer, Janssen, BMS, Johnson and Johnson, Roche, Sanofi Aventis, ICON, Abbvie; Consulting: Roche, Janssen, Lundbeck, EIiLilly.

    Ein objektives Ergebnis bei der Studie ist unter solchen Voraussetzungen nicht zu erwarten.

    Freundliche Grüße
    Peter Lehmann

    1. Jürgen Thorwart antwortet am 16.10.2016 auf diesen Kommentar in einer Mail an EREPRO:

      Zu dem Kommentar von Herrn Lehmann – das wußte ich natürlich nicht. Nun habe ich selbst auch recherchiert und den Leiter Prof. Leucht auch deswegen angeschrieben, er hat auch schon geantwortet, ich leite Dir die Mail gleich anschließend weiter.

      Hier ist die Mail von Jürgen Thorwart an Prof. Leucht vom 15.10.2016:

      Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Stefan Leucht,

      bereits vor einiger Zeit habe ich von der von Ihnen in durchgeführten Studie (unter Mitarbeit von Maximilian Huhn) gehört, die sich mit den Möglichkeiten der Reduzierung von Neuroleptika bei Menschen mit schizophrener Erkrankung beschäftigt und so – nach meiner eigenen langjährigen Erfahrung in der Sozialpsychiatrie und ambulanten Psychotherapie bei Psychosen – die jahrzehntelang ausgetretenen Pfade der pharmakologischen Forschung verlässt. Ich habe seinerzeit auch Werbung in Institutionen von psychisch erkrankten Betroffenen gemacht, die als ProbandInnen in Frage kamen.

      Die damalige Seite der TUM/MRI: Forschung – Evidenzbasierte Medizin: (http://drupal.psykl.mri.tum.de/evidenzbasierte-psychiatrie) existiert allerdings nicht mehr. Und die aktuelle Seite enthält das Forschungsprojekt nicht (www.cfdm.de/index44a9.html?option=com_content&task=view&id=15&Itemid=47). Was ist aus der Studie geworden?

      Nun habe ich erfahren, daß Sie sich möglicherweise in einem massiven Interessenskonflikten befinden, der m. W. auf der damals aktiven Webseite nicht erwähnt wird.

      In der Zeitschrift InFo Neurologie & Psychiatrie (May 2015, Volume 17, Issue 5, pp 34–41) haben Sie einen Beitrag veröffentlicht:

      Huhn, M. & Leucht, S. (2015): Psychiatrische Erkrankungen. Wirksamkeit von Psychotherapie und Pharmakotherapie. InFo Neurologie & Psychiatrie, May 2015, Volume 17, Issue 5, pp 34–41; http://link.springer.com/article/10.1007/s15005-015-1214-2

      Dort heißt es:

      S. Leucht erklärt Lecture honoraria: EIiLilly, Lundbeck, Pfizer, Janssen, BMS, Johnson and Johnson, Roche, Sanofi Aventis, ICON, Abbvie; Consulting: Roche, Janssen, Lundbeck, EIiLilly.

      Auch wenn Sie sich – wie sie zuvor schreiben – von keinen wirtschaftlichen Interessen leiten ließen, scheint mir ein Interessenskonflikt dennoch ziemlich offensichtlich!

      Neben der Frage, weshalb keine Informationen mehr über die Studie zu recherchieren sind stellt sich die Frage, ob wissenschaftlich-objektive Ergebnisse bei der Studie, bei der es um die Reduktion von Medikamenten geht, unter solchen Voraussetzungen zu erwarten sind.

      Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sich dazu äußern würden.

      Mit freundlichen Grüßen

      Jürgen Thorwart

      Mitglied bei den Münchner Psychiatrieerfahrenen
      Mitglied beim Netzwerk München (Aufsichtsrat)
      Dipl.-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker (DGPT)

      Antwortmail von Prof. Leucht an Jürgen Thorwart vom 16.10.2016:

      Sehr geehrter Herr Dr. Thorwart,

      Ich glaube, wir hatten die Reduce Studie nie auf der Website präsentiert. Wir stellen hier vor allem manchmal die Protokolle unserer metaanalytischen Projekte ein, es ist aber keine umfassende oder systematische Darstellung unserer Projekte, wir machen viel mehr. Wie auch immer, die Studie wurde inzwischen mit positivem Ergebnis abgeschlossen, das heisst, dass eine schrittweise, deutliche Dosisreduktion möglich war. Dies entspricht wohl nicht den Interessen der pharmazeutischen Industrie. Sie hatten wahrscheinlich keine Zeit dazuzukommen, aber auf dem von Prof. Bäuml organisierten gfts Kongress letzte Woche wurden diese Ergebnisse auch schon vorgestellt.

      Danke für Ihre Unterstützung bei der Findung von ProbandInnen.

      Mit freundlichen Grüßen

      Stefan Leucht

      stefan.leucht@tum.de

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