22 Gedanken zu „Meinungen zu hilfe Blätter von EREPRO Nr. 15: Wer kann selbstbestimmen?

  1. Ich bin nicht auf der Welt um so zu sein wie andere es gerne haetten.

    Dieser “Button” auf Seite 99 des Erepro Heftes 15 fasst prägnant die Thematik des Magazines zusammen. Man schmunzelt etwas, weil diese Äusserung uns alle auf einen Nenner bringt!

    “Normal” ist letztendlich eine Einstellung an der Waschmaschine, und die gefährliche Ausgrenzung der “Feinwäsche” durch missbräuchliche Einflussnahme des “Systems Psychiatrie” ist ein Übergriff in die Menschenrechte des “Jederman”.
    Es läuft einem etwas kalt den Rücken runter, wenn man realisiert, “ ohne die Gnade Gottes könnte ich da drin stecken”.

    Als ich anfing das Heft zu lesen, wanderte mein Laien Auge zunächst zu den Bildern und kürzeren Beiträgen, die einfacher aufzunehmen waren und doch sehr klar zum Gesamtthema beitrugen.
    Es war eine gute Einstimmung für das Hauptthema, gegliedert in 7 Abschnitten, das mir uneinschränkte Aufmerksamkeit abverlangte.
    Das lag möglicherweise am systematischen Aufbau und an der Überfuelle der zitierten Fachliteratur.
    Frau Kruse legt darin sehr überzeugend und auch leidenschaftlich engagiert dar, wie die soziologischen, geschichtlichen und rechtlichen Zusammenhänge (“underpinnings” ) zur konkreten Realität des fremdbestimmten Patienten in der Psychiatrie hinführten.

    Heilen war eine der Künste der 9 Musen.
    Die Psychiatrie von vorgestern und heute, die Frau Kruse beschreibt, scheint davon nichts gehört zu haben, abgesehen vom gelegentlichen (willkürlich gottgesandten) empathischen Ohr im autokratischen Getriebe des Systems.
    Ich bin kein Psychologe, doch könnte ich mir vorstellen, dass eine simultane Veränderung der Patientenrechte, der betreuerischen Kompetenz in Richtung Empathie, Unterstützung und Kommunikation und die Ermündigung des Patienten, eine entscheidende Rolle im eigenen Leben zu haben, letztendlich allen am Heilungsprozess Beteiligten das Leben – und vor allem das Arbeiten – etwas erleichtern würde.
    Sogar die betreuerische Artbeit verlangt dann etwas mehr Engagement und dadurch vielleicht mehr Liebe zur Kunst des Heilens, was zu völlig neuen Entdeckungen führen koennte. (siehe Artikel der Studentin die sich die Mühe machte, eine schon aufgegebene Patientin durch interessiertes Engagement und enorme Zeitaufopferung wieder “zurück zu bringen” S. 12)

    Ich lebe in den USA und sehe hier täglich, wie die neuere Gesetzgebung für körperlich Behinderte (hauptsächlich Integrierung in die Gesellschaft (in Deutschland „Inklusion“, EREPRO) eine positive Ausstrahlung in viele Bereiche hat. Der nicht Betroffene lernt mit behinderten Menschen zu leben, ihre Behinderung sowie ihre Selbstbestimmung zu respektieren.
    Da hat ein Paradigmen Shift stattgefunden, der Kreise schlägt. Ich könnte mir vorstellen, dass ein solcher Paradigmen Wechsel im Zeitalter der Information durchaus möglich ist.
    Wollen wir es hoffen, denn “there for the grace of god go I”.

    Selbstbestimmung ist die Domäne des erwachsenen, mündigen Menschen und Requisit einer funktionierenden verlässlichen Gesellschaft – und darum (wie der letzte Artikel so eindrücklich beschreibt) immer auch von der Selbstbestimmung der Anderen mitbestimmt.
    Sie ist immer im Fluss und ist konstant benötigt. Deshalb kann sie sich nur in einem offenen adaptablen (wandlungsfähigen, EREPRO) sozialen Organismus gesund entwickeln. Wollen wir hoffen die “System Psychiatrie” findet einen Weg zur Mündigkeit.

    Ich gratuliere zu einem sehr informativen und abgerundeten EREPRO Heft 15.

    Hildegard Carlin, Baltimore, USA.

  2. Liebe Mitmenschen!

    Wahrhaft SELBST-bestimmt sind normalerweise weder die Patienten noch die Psychiater. Und das Problem Psychiatrie wird erst lösbar sein, wenn auch die Psychiater Krankheitseinsicht zeigen – Einsicht in die Befallenheit und Beeinträchtigung durch die KOLLEKTIVE NEUROSE.

    Derzeit jedoch werden von der Psychiaterschaft noch regelhaft Krankheits-Diagnosen verteilt aufgrund von Symptomen größerer als „normaler“ Gesundheit. Allein dieser eine Aspekt des Problems Psychiatrie wäre Grund genug, von einem „Skandal Psychiatrie“ zu sprechen, aber es gibt etliche weitere.
    Zum Beispiel die widernatürliche Beschränkung des wissenschaftlichen / schulmedizinischen Systems auf den GROBstofflichen Teil des Seins / Universums – unter Ausschluß des FEINstofflichen Teils. Insbesondere weil in diesem, FEINstofflichen, Bereich sowohl die tieferen Ursachen der „Krankheiten“ liegen als auch das Potenzial der grundlegenden, nachhaltigen, HEILUNG.

    Obwohl die Möglichkeit der vollständigen Heilung der allermeisten Krankheiten BEKANNT ist, wird sie vom wissenschaftlich-schulmedizinischen System ignoriert und überdies von vielen auch noch schlechtgeredet und diejenigen, die sich damit befassen, durch üble Nachrede oder Rufmord behindert.

    Die KOLLEKTIVE NEUROSE – die ich seit 20 Jahren die „Kollektive Zivilisations-Neurose“ nenne, ist aber nicht nur die tiefere Ursache der allermeisten Krankheiten (in) der zivilisierten Gesellschaft, sondern auch die Ursache der in Abständen von einigen Jahrzehnten immer wieder ausbrechenden „Kollektiven PSYCHOSE“. Zu Recht wurde die Zeit 1933-1945 auch „Kollektive Psychose“ genannt.

    Höchste Zeit für entsprechende, tiefergehende, Erkenntnis.

    Herzliche Grüße:

    Wolfgang Heuer
    http://www.Seelen-Oeffner.de
    Man kann die meisten aktuellen Beiträge von mir – als „heureka47“ – im WELTENWANDLER-Forum finden und meine TIPPS bei GUTEFRAGE.net

    Dieser Beitrag ging im März 2013 bei EREPRO ein

  3. https://groups.google.com/forum/#!topic/de.sci.medizin.psychiatrie/tkeZTnv27I0

    An dieser Stelle im Internet findet sich eine seltsam aggressive Auseinandersetzung um die Vorsorgevollmacht für Psychiatrieerfahrene.
    Was man indirekt entnehmen kann, ist wohl, dass sie doch nicht so sicher funktioniert, wie in hilfe Blätter von EREPRO Nr. 15 dargestellt.

    Schön wäre tatsächlich, wenn jemand mal konkret von seinen Erfahrungen mit einer Vorsorgevollmacht berichten würde. Wir suchen Praxisbeispiele.

    Ehrhard

  4. „Das neue DSM-5 erscheint nicht als Handbuch medizinischen Wissens, sondern als Handbuch medizinischer Macht– eine Macht, die auch im Bereich der Psychiatrie die Hospitäler längst in Unternehmen verwandelt hat. Die einmal von den Patienteninitiativen geforderte Selbstbestimmung gehört heute zu den programmatischen Leistungsanforderungen der Selbstsorge; die Psychiatrie erscheint dabei nicht nur als Integrationsmaschine, sondern auch als Mechanismus der Ausschließung. Die gesellschaftliche Normalität ist längst in den psychiatrischen Betrieb hineingewachsen, schreibt die linke politische Wochenzeitung Jungle World am 2.05.: http://jungle-world.com/artikel/2013/18/47609.html“ (Hervorhebund von EREPRO)

    Das ist keine “Meinung” zu hilfe Bätter von EREPRO Nr. 15 Selbstbestimmung in der Psychiatrie, passt aber zum Thema dieses Heftes.
    Wir haben das Zitat entnommen aus der regelmäßigen Informationsmail von Peter Weinmann und Co.: Selbstbestimmt leben aktuell 6/13 ( Bestellung bei asl-sb@gmx.de).

  5. ich danke Ihnen für Ihre Mail und die großzügige Zusendung Ihrer Informationshefte.
    Wir sind sehr gespannt darauf und werden zu gegebener Zeit unsere Meinung dazu äußern.
    Als Thüringer Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. haben wir uns das Ziel gesetzt unsere Mitglieder umfassend zu informieren. Auch bemühen wir uns sämtliche Anfragen von Betroffenen zufrieden zu stellen.
    Ich sende Ihnen die 2. Ausgabe unserer Zeitung „ThuLPE“ und würde mich auch über einen Kommentar Ihrerseits freuen. Wenn Sie weitere Exemplare möchten, dann sagen Sie mir einfach Bescheid.
    Zurzeit arbeiten wir an der 3. Ausgabe. Hier haben wir uns das Thema Sucht ausgesucht.

  6. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich danke Ihnen für die Zusendung der Nov.-2012-Ausgabe Ihrer “Hilfe”-Blätter.
    Sämtliche darin enthaltenen Artikel sind in ihrer Gesamtheit hilfreich und nutzbringend für die Tätigkeit im Rahmen der Selbsthilfe Augsburger PsychiatrieErfahrene e.V..
    Im Besonderen freue ich mich darüber, daß im Beitrag von Frau Christl Kruse,
    der mein besonderes Interesse fand, auf den bestehenden “großen Bedarf einer Hilfe in Form eines Besuchsdienstes” hingewiesen wurde.
    Seit März vergangenen Jahres betreiben einige Mitglieder unseres Vereines zusammen mit mir einen solchen Besuchsdienst im Augsburger Bezirkskrankenhaus;
    eine ehrenamtliche Tätigkeit, die wir als die eigentliche, als die Kernaufgabe eines Selbsthilfevereins betrachten.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Günter Brand
    für die Selbsthilfe Augsburger PsychiatrieErfahrene e.V.

    Wir verweisen auf den Beitrag von Herrn Brand unter „Post an EREPRO“.

  7. Hallo, liebe Leute von EREPRO,
    ich habe den Artikel „Bilanz einer Psychose“ gerade gelesen. Er steht in dem allerersten hilfe-Heft von 1996.
    Den hättet Ihr ohne weiteres in das neue Heft Nr. 15 aufnehmen können. So gut passt er zum Thema „Selbstbestimmung“. Ich empfehle jedem, ihn zu lesen.Man kann die Nummer 1 ja noch bestellen.
    Eine Diplom-Pädagogin, die immer wieder Psychosen hat, spricht unheimlich ehrlich, und sehr lebendig aus, wie sie die Krankheit und die Psychiatrie erlebt hat.
    Andererseits ist es auch traurig zu sehen, wie wenig sich seit damals hinsichtlich der Selbstbestimmung in der Psychiatrie geändert hat. Man merkt fast gar nicht, dass der Text der Nummer 1 der hilfe Blätter von EREPRO vor 17 Jahren geschrieben wurde!!!

  8. Ich freue mich über die Verwendung meiner Ausführungen zum
    Persönlichen Budget und fühle mich dabei richtig zitiert.
    Ihr Engagement zum Reformbedarf der Psychiatrie begrüße ich.
    Leider fehlt mir die Zeit, mich ganz intensiv mit Ihren Veröffentlichungen zu beschäftigen und entsprechend zu kommentieren.

  9. Vielen Dank für die hilfe blätter von EREPRO Nr. 15, die ich so genau wie selten gelesen habe. Eine und die vorige habe ich Frau X gegeben.Gratulation zur Zeitschrift!

  10. 11.12.2012
    Das gesamte hilfe-Heft (Nr. 15) gefällt mir.
    Es ist wirklich von sehr überzeugender Qualität, ohne elitär und wichtigtuerisch zu werden, und daher auch sehr glaubwürdig und nützlich.
    Man merkt sofort, dass man es brauchen und für seine eigenen Zwecke verwenden kann, und dass es eine echte Hilfe ist. Die Beiträge über das Thema Selbstbestimmung sind sehr aktuell und vermitteln einiges an Erkenntnissen. Das Heft ist sehr sympathisch und einfühlsam geschrieben.

    Man merkt sofort, dass jene Autoren, welche diese Beiträge geschrieben haben, etwas von ihrer Arbeit verstehen und dies auch gut weitervermitteln können. Selbstbestimmung wird von allen Seiten und Aspekten beschrieben. Sehr flott und lesbar geschrieben.

    Die hilfe-Hefte sind von hohem Niveau und einmalig in unserer Gegend. Für Ihre weitere Arbeit wünsche ich Ihnen alles Gute und hoffe, dass Sie damit Erfolg haben.

    2.1.13
    Ich danke Ihnen, dass Sie mir die anderen Hefte der Blätter von EREPRO zugeschickt haben, die konnte ich wirklich gut gebrauchen, denn sie sind sehr anregend und unterhaltsam geschrieben. Sie sind eine spannende Lektüre.
    Ich bin damit einverstanden, dass Sie meinen Kommentar zu dem neuen Heft auf Ihre Homepage setzen. Ich habe nichts dagegen, dass Sie meinen Namen nennen. Sie können ihn schnell hinzusetzen.
    Es muss aber klar hervorgehoben werden, dass es mir um den literarischen und künstlerischen Wert der Hefte geht. Der ist für mich primär.
    Ich gehöre auf die kreative Seite unserer Gesellschaft und schreibe aus dem wohlverstandenen Interesse, dass ich nicht verwahrlose und auf der Gosse und im Obdachlosenasyl lande.
    Solange ich lebe, bleibe ich ein produktiver Faktor, und zwar ein eigenwilliger und selbständiger, man kann mich nicht zum nutzlosen und wertlosen Teil der Menschheit stempeln, denn ich verteidige mein Leben und schenke es nicht her. Wer mich diskriminiert, muss damit rechnen, dass ich ein Wörtchen mitrede.

    Entschuldigen Sie bitte, dass ich das so scharf formuliere. Aber ich bin ein individueller Mensch, der sich so äußern muss, der kein Fachidiot ist, auch wenn mich die ganze Sache mit der Psyche interessiert. Wenn ich etwas über die Psychiatrie lesen will, kann ich auch ein Fachmagazin heranziehen. Aber dann kapiere ich nichts und bleibe auf ewig ein Sklave meiner menschlichen Dimensionen.

    Also: wenn ich schreibe, dass der Verfasser etwas von seiner Arbeit verstehe, dann meine ich nicht das Fachliche, das sicher auch vorhanden sein muss. Denn unsere Feinde sind stark und raffiniert, und man muss sich mit geeigneten Mitteln und Instrumenten gegen sie wehren. Man darf sich ihnen nicht harmlos, naiv und gutgläubig ergeben. Sie besitzen gefährliche und tödliche Waffen, gegen die man kämpfen muss.
    Ich meine, dass der Verfasser auch mit Empathie, Überzeugungskraft, Leidenschaft, Ehrlichkeit, Liebe, Einfühlungsvermögen und Verständnis an die Sache herangeht.

    Diese ganze Mischung aus Qualifikation und Mitgefühl finde ich gut bei EREPRO.
    Das wollte ich kurz sagen, vielleicht können Sie es in meinen Kommentar einfügen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar dafür.
    Da mich die hilfe-Hefte so fesseln, mitreißen und mich vorwärtsbringen, hätte ich noch gerne folgende bestellt…

  11. angekommen am 30.11.2012

    Das Heft ist eine wertvolle Fundgrube für mich.

    Erstmal danke für die schnelle Zusendung von EREPRO Nr.15.
    Inhaltlich habe ich die Themen bisher nur sporadisch aufgenommen, doch die Gestaltung der einzelnen Textblöcke, die hervorragend gelungen ist, lässt einen selbst beim flüchtigen Durchblättern des Heftes nicht ohne Gewinn!

    Obwohl mir bei meinen Kontakten mit der psychiatrischen Ambulanz keine negativen Erlebnisse widerfahren sind, dafür aber ziemliche Toleranz gegenüber meinem z.T. aggressiven, weil total verunsicherten Auftretens, von Seiten einer gewissen Frau Dr. X, sind mir beim oberflächlichen Durchblättern der Zeitschrift (zum intensiven lesen der Texte hatte ich noch keine Gelegenheit) doch spontan einige Assoziationen durch den Kopf gegangen.

    Eines vorweg: seit meinen Kindertagen in der Nachkriegszeit hat sich in Sachen Pädagogik doch sehr vieles zum Besseren gewandelt!
    Kein Kind muss sich heute mehr mit aller Kraft gegen einen Lehrkörper stemmen, dessen Sozialisation durch die menschenverachtende Indoktrination der Nazis vollzogen worden ist! Ich hatte Glück und traf auf einige Ausnahmen, die die Regel bestätigten; aber ein körperlich und seelisch robustes Kerlchen musste ich schon sein, um diese „willigen Untertanen“ zu überstehen!

    Es wäre eine Anmaßung von mir, zu behaupten ich hätte von den Verhältnissen in der Psychiatrie eine Ahnung!

    Eine aufblitzende Resonanz auf eine ziemlich provokante Bemerkung von mir, in einem Gespräch mit Frau Dr.X, sei dennoch erwähnt:
    Ich stellte die rhetorische Frage an sie, ob sie glaubte, dass sich bei einer Änderung der politischen Verhältnisse nicht genau so viele Mengeles auf dem Klinikgelände tummelten wie zur Zeit dieser gewissen Herrn Hitler, Göring, Freisler und sonstigen Blödel, und die Euthanansie von psychisch kranken Menschen nicht wieder ebenso gängige Praxis würde?!

    Ihr Gesicht zeigte als Reaktion eine seltsam anmutende Betroffenheit; wie erwartet sagte sie kein einziges Wort, senkte den Kopf und ging, so als hätte sie meine Worte nicht verstanden, zum nächsten Gesprächspunkt über…

    Dabei lege ich inzwischen für diese Frau meine Hand ins Feuer!
    Es hat ein bischen gedauert, bis ich ihre emotionsarme, zurückhaltende Art als Selbstschutz identifizieren konnte, doch sie hat mir sowohl bei der Genesung meiner Depression, so wie bei der Klärung meiner damaligen, verqueren privaten Situation sehr konstruktiv geholfen.

    Unter uns gesagt, erlebe ich die eigentliche Landbevölkerung in „mittleren“ Jahren, also so um die Fünfzig herum, immer noch zu einem großen Prozentsatz als latent faschistoid.
    Da ich selbst auf dem Land lebe, aber hier eben nicht aufgewachsen bin, fällt mir das wohl besonders auf. Den Einheimischen selbst ist das nicht bewusst. Ihre Vorstellungen davon, wann die Dinge im „rechten“ Lot sind, ist von Tradition und Überlieferung geprägt.
    In den Köpfen dieser „rechtschaffenden“ Personen ist kein Platz für Andersdenkende und Außenseiter. Für eine tiefgreifende Änderung in absehbarer Zukunft sehe ich da keine Anzeichen.
    Aber es sind selbstverständlich nicht alle so; etliche trauen sich event. einfach nicht, ihre vielleicht etwas humaneren Ansichten kund zu tun, aus Angst vor persönlichen Repressalien.

    Alles in allem fand ich die Ausgabe 15 von EREPRO auf den ersten Augenschein hin so gut, dass ich Euch spontan 5 € überwiesen habe.
    Einige andere Ausgaben habe ich mir schon vorgemerkt! Die werde ich bestellen, wenn sich unsere finanzielle Situation etwas entspannt hat.

    3.12.2012
    Bin fleißig dabei das „hilfe“-Heft Nr.15 zu studieren, und das, obwohl in meinem Zimmer stabelweise (ungelesene) Zeitschriften auf Entdeckung harren!
    Eines fällt mir bei der Lektüre Eures Heftes sofort auf: die therapeutischen Haltungen von Psychologen und Sozialpädagogen habe ich längst in meine eigene Lebenbewältigung und die derer, die mit mir verbandelt sind, adaptiert, so wie ich alles was ich in einem lebendigen Geschehen erfahre, nach individueller Reflektion in meinen Horizont integriere. Dazu braucht es weder ein kollektives Schulsystem, noch diese, höchst reformbedürtigen, Studiengänge.

    11.12.2012
    gestern war ich fast den ganzen Tag über im Bett gelegen und habe Deinen VI-teiligen Aufsatz über die „Selbstbestimmung in der Psychiatrie“ gelesen.
    Eines möchte ich dazu gleich vorne weg bemerken: es war für mich emotional aufregend und intellektuell lustvoll, anhand Deiner sehr dichten und differenziert aussagekräftigen Sätze zu erfahren, in welch beeindruckenden Ausmaß Du während Deiner jahrzehntelangen beruflichen Tätigkeit die inneren Vorgänge(es ist halt wieder mal „das Innere“ das mich am meisten interessierte) eines psychisch veränderten Menschen in Dein Empfinden und Verstehen übernommen hast.
    Nicht, dass ich das nicht schon umfangreich und über lange Jahre im Bezug auf meine eigene Person von Dir erfahren hätte; aber es ist die Art (Stil) Deines schriftlichen Ausdrucks, der mir, „neben“ dem geschriebenen Wort, eine Tiefe des Verstehens übermitteln konnte, der mich an manchen Stellen erfreut überrascht hat!

    Diesen Fach- Aufsatz wünschte ich mir als Buch; für ein breiteres Publikum überarbeitet, und um die Themen erweitert: Historische Entwicklung der Psychiatrie im Bezug auf Selbstbestimmung; Handhabung der Psychiatrie in der NS- Zeit, Vergleich der europäischen Länder im Bezug auf Selbstbestimmung in der Psychiatrie. Das hast Du zwar alles in den einzelnen Kapiteln mal angesprochen, aber für meine Interessenlage viel zu kurz. (War ja auch nicht Dein vorrangige Thema).

    Ein solches Buch löste garantiert eine gesellschaftliche Diskussion über die Selbstbestimmung von psychiatrierten Menschen (wie Du sie nennst) und über die derzeitige Gesetzeslage dazu aus. Allerdings käme dann auch die Dampfwalze der Medien, mitsamt den vielstimmigen Reaktionen Deiner Kollegen und unmittelbar Betroffenen auf Dich zu! Der Sache wäre das nur dienlich, für Dich persönlich bedeutete es eine große nervliche Herausforderung…

    Alles in allem: Ein starkes Stück Menschlichkeit.

  12. Das Thema Reformbedarf in der Psychiatrie findet zu wenig Aufmerksamkeit in den Medien.
    Dass sich Prominente zu „outen“ beginnen, d.h., dass immer öfter Fälle von Depression oder Burn-Out in Talkshows besprochen werden, macht das Thema der Erkrankung durch psychischen Stress salonfähiger. Bei Kindern wächst die Zahl der von ADS/ADHS Betroffenen. Auch das ist bekannt. .

    Diese einseitige „Popularität“ des Themas hat bisher in keiner Weise dazu geführt, den Fokus auf den Reformbedarf hinsichtlich der Behandlungsmethoden in der Psychiatrie zu lenken.
    Auch für das Personal auf den Stationen wäre mehr Beachtung durch die Öffentlichkeit – statt Wegschauen – hilfreich und förderlich. Schließlich leisten sie professionelle Hilfe dort, wo wir, die „Gesunden“, nicht mehr können. Auf dem Weg zur Heilung oder wenigstens wesentlichen Besserung der Hilfesuchenden spielt meiner Ansicht nach jedoch die korrekte und für den Patienten transparente Entscheidung für die Anwendung von Psychopharmaka, ggf. kombiniert mit geeigneten Psychotherapiemethoden, eine wichtige Rolle.
    Es sollte daher dringend untersucht werden, ob sich die Investition in Aufmerksamkeit für einen Patienten hinsichtlich der daraus entstehenden Kosten für die Kassen lohnenswerter erweist als Experimente am Patienten in der Anwendung von Psychopharmaka.
    Es sollte dabei das Gespräch mit dem Patienten wie auch die Möglichkeiten der Verbesserung seiner/ihrer Lebensbedingungen thematisiert werden anstatt die Erfolgsquote einer Langzeittherapie versus Psychopharmaka und Neuroleptika. Diesem Thema wird sich die Öffentlichkeit immer mehr stellen müssen.
    Das Selbstvertrauen von Erkrankten ist oft sehr geschwächt, sodass kaum etwas von dem Erlebten nach Aussen dringt bzw. die leisen wie auch die lauten Hilferufe gar nicht erst ernst genommen werden.
    Eine Verbesserung des Angebotes für Hilfesuchende ist nur möglich, wenn diese Stimmen gehört werden.
    Die Umgebung der Erkrankten geht häufig – bewusst oder unbewusst – davon aus, dass der/die Betroffene nicht selbst wissen kann, was gut für ihn/sie ist. Irrational erscheinendes Verhalten verunsichert. Es kann schrecklich sein. Insofern muss Selbstbestimmung wohl von beiden Seiten erlernt werden.

  13. Das Heft 15 sieht ja im Vergleich zu Heft 9 wirklich fast !! professeionell aus. X ist übrigens des Lobes voll, was die Hefte angeht. Der Inhalt ist allerdings toll, das Layout kann noch besser werden – wenn ich das so sagen darf.
    13.12.2012 S.S.

  14. Danke für Heft Nr. 15. Wieder konnte ich meinen Horizont erweitern und habe Neues erfahren. Die Artikel decken eine große Bandbreite ab. Da findet man immer was Interessantes!
    Positiv anmerken möchte ich auch das gestalterische Konzept des Heftes, welches ein angenehmes Lesen ermöglicht.
    U.R. 17.12.2012

  15. Das gesamte hilfe-Heft gefällt mir. Es ist wirklich von sehr überzeugender Qualität, ohne elitär und wichtigtuerisch zu werden, und daher auch sehr glaubwürdig und nützlich.
    Man merkt sofort, dass man es brauchen und für seine eigenen Zwecke verwenden kann, und dass es eine echte Hilfe ist. Die Beiträge über das Thema Selbstbestimmung sind sehr aktuell und vermitteln einiges an Erkenntnissen. Das Heft ist sehr sympathisch und einfühlsam geschrieben.

    Man merkt sofort, dass jene Autoren, welche diese Beiträge geschrieben haben, etwas von ihrer Arbeit verstehen und dies auch gut weitervermitteln können.
    Selbstbestimmung wird von allen Seiten und Aspekten beschrieben. Sehr flott und lesbar gbeschrieben.

    Die hilfe-Hefte sind von hohem Niveau und einmalig in unserer Gegend. Für Ihre weitere Arbeit wünsche ich Ihnen alles Gute und hoffe, dass Sie damit Erfolg haben.

    G.S. 11.12.12

  16. Kritik

    Noch was,in Kurzform: Es sollte unter jeden Artikel der bzw. die Namen des Verfassers.

    Dann ist es viel Lesestoff, der durch manch positive Bilder – in Farbe?- zum Pausieren, Innehalten, Abschalten eine kleine Auflockerung erhalten könnte.

    Dann vermisse ich das Impressum, die Ansprechpartner.
    Finde es für diejenigen welche internetimmun sind ansprechend, wegen Fonnr.,oder Postadresse.
    Das find ich verbesserungsfähig.
    LG C.F.

    1. Liebe Christine,

      wir freuen uns immer über Verbesserungsvorschläge.
      Ich will Dir aber hier kurz beschreiben, mit welchen Schwierigkeiten wir zu kämpfen haben. In einem der früheren Hefte (hilfe-Blätter von EREPRO Nr. 14) erklären wir, dass wir grundsätzlich anonyme Artikel besser finden, oder wenigstens nicht ablehnen. Ich glaube, dass man offener für den Inhalt eines Textes ist, wenn man ihn nicht relativiert – auf dem Hintergrund der Kenntnisse über den Autor.
      Und ganz praktisch gesehen, ist es vielen Leuten gar nicht möglich, mit ihrem Namen zu unterschreiben. Das kommt bei Mitarbeitern, die Angst vor ihrem Arbeitgeber haben, häufiger vor als bei Hilfesuchenden, die vielleicht die Diskriminierung fürchten. Ohne diese Anonymität hätten wir viel weniger Beiträge für die hilfe-Hefte.

      Das letzte Heft hat mir eine Lehrerin entrüstet zurück gegeben mit der Bemerkung, es fehlen die Bilder – und wollte es gar nicht lesen!
      Einer, der ein hilfe-Heft gelesen hatte, meinte, es ist schade um die Zeit, die auf die Artikel verwendet werde. Sie seien nicht schlecht geschrieben, aber einfach zu „umfänglich“. Die lese keiner.
      Also Dein Vorschlag, Bilder einzufügen wäre zu beherzigen. Bei dieser Nummer 15 der hilfe Hefte haben wir uns sehr darum bemüht, bis wir auf das Problem mit dem Urheberrecht gestoßen sind: Es hat sehr viel Zeit gekostet, die Erlaubnis für den Abdruck der Bilder zu erhalten, die wir ausgesucht hatten. In vielen Fällen ist das nicht gelungen, und wir konnten die Bilder darum nicht verwenden, oder wir mußten weniger schöne nehmen. Zum Beispiel gibt es ein Bild von van Gogh vom Barmherzigen Samariter. Das konnten wir wegen dieser Unklarheit nicht bringen.
      Und Farbe? – die macht die Produktion des Heftes so viel teurer, dass wir uns auf den Umschlag beschänkt haben… Und einige fanden das Heft in Schwarz/weiß sogar schöner!
      Ob nun jemand die Artikel in den hilfe-Heften liest, hängt sicher mit dem Interesse an der Sache, an der Psychiatrie zusammen. Das Heft will ja nicht nur unterhaltsam sein, sondern auch „aufklären“ – EREPRO ist gemeinnützig, um „Volksbildung“ durchzuführen, wie es im Juristendeutsch heißt!! Die Materie ist ja meistens nicht so einfach, wie sie sich in den üblichen Zeitungsartikeln darstellt, und erfordert etwas Anstrengung.
      Das Impressum ist immer unten auf der Titelseite. Da gibt es auch die Postadresse. Telefonisch waren wir nur seinerzeit in dem Betreuerbüro ansprechbar, das wurde schon vor Jahren von den Teilnehmern unserer Betreuerausbildung übernommen.

      LG
      Christel Kruse

  17. Geehrtes Erepro Team

    Ihr Jubiläumsheft Nr.15 verdient wie die ab 1996 erschienen Hefte großes Lob. Die Worte müssen „nur“ noch praktisch werden, also den Hilfesuchenden das Lebenswasser zukommen zu lassen, das ihren wahren Bedürfnissen entspricht.
    Leider geschieht bisher, dass diesen Armen das Recht auf Selbstbestimmung in der Psychiatrie genommen wird.
    Niemand ist so krank, dass er nicht gesunde Teile in sich hat und zeigt…
    Doch die Gutachter legen auch die gesunden Zeichen als krank und behandlungsbedürftig aus. Wie dies auf dem Titelblatt der Nr. 15 dokumentiert wird.
    Es schreibt Ihnen die Autorin des auf Seite 12 besprochenen Büchleins. „Hilf, dass ich wieder fliegen kann“.
    Ihre Buchbesprechung ehrt mein Werk in ganz besondere Weise.Denn meine Intention wird von Ihnen verstanden – in gleicher Weise wie ich Ihre Dokumente verstehe. Bleiben wir dran.

    MfG
    Christine Fellner

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