Schilderung meiner psychischen Krankheit. Angelika Kurella

KRANK – PSYCHIATRIE – MEDIKAMENTE- LIEBE – GESUND
Im folgenden Bericht möchte ich meine psychische Krankheit beschreiben. Ich bin 57 Jahre alt,  verheiratet und habe 2 erwachsene Töchter.
Seit über 20 Jahren ist mein Gesundheitszustand stabil, ich nehme nur noch am Abend eine geringe Dosis meines Medikamentes ein.

Als Teenager erkrankte ich das erste Mal. Die Diagnose war “manisch depressiv”, heute nennt man diese Erkrankung auch Bipolare Störungen. Ungern benutze ich Fachausdrücke, die man als Laie nicht versteht, aber am liebsten ist mir folgende Bezeichnung meiner Erkrankung: “Eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis hebephren oder kataton.” Hebephren = manisch = himmelhochjauchzend. Kataton = depressiv = zu Tode betrübt. Wahnvorstellungen, Todesangst, sich total zurückziehen.
Meine manischen Phasen konnte ich “in Freiheit ausleben”, meine depressiven musste ich zum größten Teil auf geschlossenen Stationen verbringen. Ich war immer wieder für lange Zeit weggesperrt. Nach der Entlassung aus der Klinik dauerte es noch lange Zeit bis ich wieder ganz “normal” war.

Durch meine Krankheit hat sich nicht nur mein Körpergewicht verändert – von knapp 50 Kilo auf um die 80 Kilo, auch meine Art zu leben ist eine andere geworden. Ein lebensfroher Mensch war ich schon früher, und ich war immer zufrieden. Durch meine Krankheit habe ich das unbeschwert sein verloren. Ich lebe gern, aber mir fehlt meine Fröhlichkeit. Zufrieden bin ich auf jeden Fall, denn ich kann so leben wie jeder “normale” Mensch. Den größten Reichtum erkenne ich in meiner “psychischen Gesundheit”.

Mein erster Psychiater in der Nervenklinik sagte zu meiner Mutter: “ Ihre Tochter wird nie wieder gesund.” Er gab ihr den Rat einen Betreuer für mich zu suchen,  dieser hätte dann alles was mich betrifft zu entscheiden, also ein Vormund, wie man das früher nannte. Heute – gesetzlicher Betreuer. Meine Mutter sagte ohne lange zu überlegen:”Kommt nicht infrage. meine Tochter wird wieder gesund.“
Dieser Glaube und die Hilfe meiner Eltern hat mir immer wieder die Möglichkeit gegeben gesund zu werden.
Es war eine schwere Zeit für meine guten Eltern, später für meinen Ehemann und auch für meine Kinder, aber am meisten musste ich leiden, vor allem, wenn ich stationär untergebracht war. Und leider war diese Art der Unterbringung erforderlich, weil ich suizidgefährdet war. Auch Wahnvorstellungen waren vorhanden, wäre ich irgendwo allein ohne Behandlung gewesen, würde ich schon lange nicht mehr leben.
Wenn ich nicht an meiner Krankheit zerbrochen bin, ist es nämlich der Behandlung und den Medikamenten zu verdanken. Der größte Dank geht jedoch an meine Eltern, die mich gelehrt haben nach vorne zu schauen, Mut zu haben, und die mir mit ihrer Liebe den rechten Weg zeigten.

 

Kurz vor ihrem Tod sandte Angelika Kurella uns diesen Text mit dem Vermerk: “Leider bin ich 2012 neu erkrankt, diesen Bericht habe ich vorher noch geschrieben.”

Nach einer Operation mit Vollnarkose war die psychische Krankheit der Autorin wieder ausgebrochen, und sie erlebte eine “schwere Zeit” in psychiatrischen Kliniken, wobei sie auch “zwangsbehandelt” wurde. Sie schrieb uns darüber: “Schrecklich – ich kann nicht verstehen, dass Menschen so grausam sein können.”
Kurz nach ihrer Entlassung aus der Psychiatrie verstarb Angelika Kurella unerwartet im April 2014.

Ein Gedanke zu „Schilderung meiner psychischen Krankheit. Angelika Kurella

  1. Meine Mama war für mich die allerbeste Freundin, Wegbegleiterin und Ratgeberin, die ich jemals hatte.
    Eine ganz wundervolle Mutter voller Liebe, Fürsorglichkeit, Kampfgeist, Stärke und Mut.
    Auch wenn sie für viele Jahre durch ihre Phasen der Krankheit nicht an der Seite unserer Familie sein konnte – ich könnte mir trotzdem keine andere oder bessere Mutter vorstellen. Keine die ihr gleich kommt.
    Sie war eine unglaublich herzensgute und liebevolle Frau.
    Niemand ist wie Mama. Ihr Humor, ihr Lachen und ihr Dasein waren einzigartig und wird mir auf immer fehlen – aber auch auch genauso auf ewig im Gedächtnis und im Herzen bleiben.
    Ich werde Dich nie vergessen, Mama und vermisse Dich schrecklich.
    Du bist in Gedanken und Erinnerungen so jeden Tag & jede Nacht nah bei mir.
    Ich danke Dir für alles, was Du für uns und viele andere Gutes getan hast.
    Auch über Deine eigenen Grenzen hinaus.
    Und dafür werde ich Dich für immer lieben.

    Deine Tochter Stephanie
    … die sehr stolz darauf ist Deine Tochter zu sein.
    Es ist das schönste Geschenk, das ich besitze.

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